Kiese, SiegbertH
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Huancarani/Bolivien 06.01.2014 - 21.03.2014
Kurz nach Neujahr trafen wir uns, Siegbert Kiese und Jörn-Erik
Krüger, in Amsterdam auf dem Flughafen und starteten durch zu unserem
Abenteuer Bolivien.
Nach langem Flug mit vielen Zwischenstopps und Zeit zum Kennenlernen
kamen wir reichlich übermüdet in Cochabamba an. Dort wurden wir von Don
Ronald, dem Verwalter der Schweizer Fundación, und der Familie Hinojosa
freundlich empfangen. Nach stärkendem Frühstück und ausgiebigem
Mittagsschlaf ging es dann gegen Abend nach Huancarani, unserem
Einsatzort, etwa 1 Autostunde von Cochabamba entfernt. Das Dorf liegt
ca. 10 Gehminuten von der großen Hauptstraße von Cochabamba Richtung
SipeSipe entfernt, so dass man recht einfach mit Hilfe der Trufis
(Mikrobusse) in die nächsten Städte, SipeSipe, Quillacollo oder
Cochabamba gelangen kann. Es leben etwa 100 kinderreiche Familien im
Dorf, wobei die Patienten auch durchaus aus der näheren Umgebung, z.B
aus SipeSipe, Montenegro oder anderen Ansiedlungen entlang der Carretera
kommen. Es gibt mehrere kleine Tiendas (Kioske), eine Grundschule (320
Schüler), eine Kirche (die während unserer Zeit nie geöffnet war) und
ein häufig überfülltes Internetcafé.
Das Consultorio befindet sich auf dem Hof der Pirwa, einer Schweizer Organisation, die die Campesinos des Dorfes in ökonomischer und ökologischer Hinsicht bei ihrer Feldarbeit beratend unterstützt. Wir wohnten komfortabel in einer Wohnung auf dem gleichen Hof zusammen mit zwei Schweizer Abiturientinnen, die sich dort nachmittags um die Kinder der Dorfbevölkerung bzgl. Hausaufgabenbetreuung und verschiedenen Freizeitaktivitäten kümmerten. Mit auf dem Gelände wohnen noch Doña Adela, die Haushälterin der Pirwa, mit ihrer Familie. Sie beköstigte uns mittags und abends mit typisch einfacher, bolivianischer Kost. An die Anwesenheit von vielen sehr nervigen, zum Teil aggressiven Hunden im Dorf und der Pirwa mussten wir uns erst gewöhnen.
Das Consultorio befindet sich auf dem Hof der Pirwa, einer Schweizer Organisation, die die Campesinos des Dorfes in ökonomischer und ökologischer Hinsicht bei ihrer Feldarbeit beratend unterstützt. Wir wohnten komfortabel in einer Wohnung auf dem gleichen Hof zusammen mit zwei Schweizer Abiturientinnen, die sich dort nachmittags um die Kinder der Dorfbevölkerung bzgl. Hausaufgabenbetreuung und verschiedenen Freizeitaktivitäten kümmerten. Mit auf dem Gelände wohnen noch Doña Adela, die Haushälterin der Pirwa, mit ihrer Familie. Sie beköstigte uns mittags und abends mit typisch einfacher, bolivianischer Kost. An die Anwesenheit von vielen sehr nervigen, zum Teil aggressiven Hunden im Dorf und der Pirwa mussten wir uns erst gewöhnen.
Am nächsten Tag begannen wir, uns mit dem Consultorio vertraut zu
machen und unser Vorgehen für die nächsten 3 Monate zu organisieren.
Trotz der vielen mitgebrachten Materialien konnten noch einige fehlende
Dinge von Don Ronald in Cochabamba besorgt werden, andere forderten wir
über Ekkehard Schlichtenhorst an. Nicht gut funktionierende
Installationen wie Absaugung, Luftdruck etc. konnten wir mit ein wenig
Improvisation optimieren. Leider konnten trotz zigmaliger Anmahnungen
bei Don Ronald gewisse Installationen bis zum Ende unserer Anwesenheit
nicht fertig gestellt werden: Befestigung des Kompressors auf dem
Fundament, Installation der Röntgenanlage, Auffüllen der
Sauerstoffflasche des Notfallkoffers, Anschaffung eines dringend
benötigten Verbandskastens, etc.
Das Patientenaufkommen war zum Anfang recht bescheiden und frustrierend.
Es war ja auch seit etwa 6 Wochen kein Zahnarzt/ärztin mehr hier. Wir
begannen, die Öffnung des Consultorios bekannt zu machen, Handzettel mit
Öffnungszeiten im Ort, in den Trufis und bei zufälligen Begegnungen mit
den Einwohnern zu verteilen sowie Aushänge zu machen. Um der
arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, das Consultorio nach
Arbeitsschluss aufzusuchen, verlängerten wir die Horarios bis 19 Uhr.
Unsere Arbeit bestand hauptsächlich aus Füllungstherapien mit Amalgam
oder Komposite, vielen Fissurenversiegelungen, Extraktionen sowie
Limpiezas. Aber auch auf die Ernährungsaufklärung bzgl. des extrem hohen
Verzehrs von Dulces und CocaCola sind wir intensiv eingegangen. Durch
die örtliche Nähe zur Pirwa kamen am Anfang zum großen Teil Kinder aus
der Betreuung der Schweizerinnen zur Behandlung. Über die Wochen wurde
das Patientenaufkommen zwar größer, blieb aber unregelmäßig. Zum
Beispiel hatten wir manchmal am morgen nicht einen Patienten, dafür aber
am Nachmittag volles Haus bis 19 Uhr oder umgekehrt. Mit
fortschreitender Zeit stellten wir fest, dass viele Patienten aus
SipeSipe kamen.
Wir mussten lernen, dass es in Huancarani durchaus nicht
normal ist, bei Zahnschmerzen zum Zahnarzt zu gehen. So beobachten wir
z.B zufällig eine junge Frau an der Tienda Doña Petris (zentraler Punkt
im Ort), als sie sich ganz selbstverständlich einzelne Tabletten gegen
ihre Zahnschmerzen kaufte. Wir sprachen sie an und konnten sie
überzeugen, sich am nächsten Tag bei uns im Consultorio vorzustellen,
was sie dann auch tat, leider aber nur zur Schmerzbehandlung. Zur
weiteren notwendigen Behandlung erschien sie aber dann nicht mehr.
Nach ein paar Wochen haben wir begonnen, die Kinder eines nahe gelegenen Waisenhauses zu behandeln. Mit Jorge, dem Leiter dieser Orfanatos, hatten wir zunächst einen zuverlässigen Ansprechpartner gefunden, der sich aber im Laufe der Zeit als "echter" (unzuverlässiger) Bolivianer entpuppte, der die Termine nicht einhielt. Weiterhin konnten wir durch eine zufriedene Patientin den Kontakt zu zwei Educativas (Unidad Educativa Andres Useda und Unidad Educativa Mariscal Sucre) aus SipeSipe aufbauen, die uns regelmäßig Schüler in Begleitung der Lehrerinnen, Eltern und Geschwistern brachte. Auffallend war, dass während unserer gesamten Zeit wenig Patienten aus Huancarani erschienen, obwohl wir uns zu Beginn bei einer Reunión der Bauern des Dorfes persönlich vorgestellt und einige Worte zur Zahngesundheit gesagt hatten. Zum Schluss allerdings schien es sich herumgesprochen zu haben, dass wir nicht mehr lange da waren. So kamen in den letzten 2-3 Wochen doch auch zunehmend mehr Huancarañas/os.
In unseren "Leerlaufphasen" suchten wir uns immer wieder neue Aufgabenfelder. Auf dem noch ganz neuen Gelände der Pirwa bauten wir z.B. auf dem Flachdach eine kleine Sonnenschutzanlage, ohne die man sich sonst tagsüber draußen nirgends aufhalten konnte. Die bolivianische Sonne ist auf 2500m schon sehr stark und brennt erbarmungslos vom Himmel. So konnten wir von unserem „Hochsitz“ die wunderbare Aussicht im 360-Grad Panorama auf die Cordilleras de Tunari immer wieder bestaunen und genießen.
Nach ein paar Wochen haben wir begonnen, die Kinder eines nahe gelegenen Waisenhauses zu behandeln. Mit Jorge, dem Leiter dieser Orfanatos, hatten wir zunächst einen zuverlässigen Ansprechpartner gefunden, der sich aber im Laufe der Zeit als "echter" (unzuverlässiger) Bolivianer entpuppte, der die Termine nicht einhielt. Weiterhin konnten wir durch eine zufriedene Patientin den Kontakt zu zwei Educativas (Unidad Educativa Andres Useda und Unidad Educativa Mariscal Sucre) aus SipeSipe aufbauen, die uns regelmäßig Schüler in Begleitung der Lehrerinnen, Eltern und Geschwistern brachte. Auffallend war, dass während unserer gesamten Zeit wenig Patienten aus Huancarani erschienen, obwohl wir uns zu Beginn bei einer Reunión der Bauern des Dorfes persönlich vorgestellt und einige Worte zur Zahngesundheit gesagt hatten. Zum Schluss allerdings schien es sich herumgesprochen zu haben, dass wir nicht mehr lange da waren. So kamen in den letzten 2-3 Wochen doch auch zunehmend mehr Huancarañas/os.
In unseren "Leerlaufphasen" suchten wir uns immer wieder neue Aufgabenfelder. Auf dem noch ganz neuen Gelände der Pirwa bauten wir z.B. auf dem Flachdach eine kleine Sonnenschutzanlage, ohne die man sich sonst tagsüber draußen nirgends aufhalten konnte. Die bolivianische Sonne ist auf 2500m schon sehr stark und brennt erbarmungslos vom Himmel. So konnten wir von unserem „Hochsitz“ die wunderbare Aussicht im 360-Grad Panorama auf die Cordilleras de Tunari immer wieder bestaunen und genießen.
Natürlich lernten wir auch Land und Leute kennen. An den Wochenenden
nahmen wir u.a. an den Ausflügen der Sprachschule Runawasi teil. Diese
wird geführt von der Familie Hinojosa. Es werden Tagesausflüge in die
Umgebung z.B. zu Inkaruinen oder auf den Cerro de Tunari angeboten. Aber
auch längere Ausflüge z.B. in den Nationalpark Toro Toro, nach Oruro
zum Karneval oder nach Sucre und Potosi standen auf dem Programm.
Es gibt wirklich viel in Bolivien anzusehen, wobei die Entfernungen sehr groß und die Reisen viel Zeit in Anspruch nehmen. So konnten nicht alle touristischen Attraktionen des Landes aufgesucht werden. Es müssen ja auch noch Ziele bei einer Rückkehr offen bleiben!!
Nach unserem Aufenthalt soll nun auch ein kleines Dental-Labor eingerichtet werden. Möglicherweise lassen sich mit der Möglichkeit, kleine Placas herzustellen, mehr Leute werben. Außerdem bestehen noch räumliche Valenzen für andere Ärzte z.B. einen Allgemeinmediziner.
Es gibt wirklich viel in Bolivien anzusehen, wobei die Entfernungen sehr groß und die Reisen viel Zeit in Anspruch nehmen. So konnten nicht alle touristischen Attraktionen des Landes aufgesucht werden. Es müssen ja auch noch Ziele bei einer Rückkehr offen bleiben!!
Nach unserem Aufenthalt soll nun auch ein kleines Dental-Labor eingerichtet werden. Möglicherweise lassen sich mit der Möglichkeit, kleine Placas herzustellen, mehr Leute werben. Außerdem bestehen noch räumliche Valenzen für andere Ärzte z.B. einen Allgemeinmediziner.
Leider gehen wir auch mit einem weinendem Auge aus Huancarani fort,
da wir wissen, dass unsere Bemühungen durch im Moment noch fehlende
Voluntarios und Kontinuität leider wieder verloren gehen und die
Patienten wieder vor verschlossenen Türen stehen werden. Ebenso wird
aus diesem Grunde unsere begonnen Ernährungsaufklärung wieder in
Vergessenheit geraten. Wir hoffen aber von ganzem Herzen, dass dieses
junge Projekt durch engagierte Kolleginnen/Kollegen weiter Fahrt
aufnimmt und eine dauerhafte zahnmedizinische Versorgung für die
Bevölkerung hier und für die Umgebung sichergestellt werden kann.
Es waren 3 wunderbare Monate, die uns in diesem sehr armen Land einmal mehr das Verhältnis zu unserer reichlich saturierten Gesellschaft vor Augen geführt hat. Wir haben viele tolle Menschen aus Bolivien und anderen Ländern kennengelernt. Alle diese Erfahrungen möchten wir nicht missen.
Es waren 3 wunderbare Monate, die uns in diesem sehr armen Land einmal mehr das Verhältnis zu unserer reichlich saturierten Gesellschaft vor Augen geführt hat. Wir haben viele tolle Menschen aus Bolivien und anderen Ländern kennengelernt. Alle diese Erfahrungen möchten wir nicht missen.
Dr. Siegbert Kiese + Jörn Krüger , März 2014