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Bolivia Movil 15. August - 23. September 2016  (Arque / Ovejeria Larama)
Schon während meines Zahnmedizinstudiums dachte ich öfter darüber nach, mich nach dem Studium bei einer zahnärztlichen Hilfsorganisation anzumelden. Nach Abschluss der praktischen Prüfungen meines Examens begann ich dann konkret nach einer Organisation zu suchen. Da ehemalige Studenten der LMU den FCSM empfohlen hatten und mir auch die Erfahrungsberichte auf der Internetseite sehr gut gefielen, war der FCSM meine erste Wahl. Die Kontaktaufnahme mit dem Verein war unerwartet unproblematisch. Ekkehard (der Projektleiter) antwortete innerhalb kürzester Zeit auf meine Emails und beantwortete mir sämtliche Fragen. So stand schnell fest, dass ich im August und September 2016 sechs Wochen in Bolivien, im mobilen Projekt, arbeiten würde. Da ich zuvor noch kein Spanisch konnte, meldete ich mich nach abgeschlossenen Examen im Februar 2016 für einen Anfänger Spanischkurs an. Der A1.1 Kurs war auf jeden Fall notwendig, da in Bolivien so gut wie keiner Englisch spricht. Natürlich schadet es nicht, wenn man noch besser Spanisch sprechen kann J. Im April buchte ich dann die Flüge und kümmerte mich um Impfungen sowie eine Auslandskrankenversicherung. Ich hatte im Vorfeld mit Marina, einer weiteren Volontärin, per Email ausgemacht, zwei Wochen früher in Bolivien anzukommen, um vor Beginn des Projekts noch zusammen zu reisen. Zwei Wochen vor Abflug bekam ich von Ekkehard dann ein Paket mit Spenden. Um eigene Spenden sollten wir uns - wenn überhaupt – nur um Zahnbürsten kümmern. Da man mit Air Europa zwei Gepäckstücke transportieren darf, war der Transport kein Problem. Allerdings ist der Flug mit Air Europa nicht wirklich komfortabel, es ist eben eine Billigairline.
Nachdem Marina und ich nach dem langen Flug dann endlich in Cochabamba ankamen wurden wir dort bereits von Ronald, auch er gehört zum Projekt, erwartet. Er nahm unseren Koffer mit Spenden entgegen und brachte uns zu einem Hostal in Cochabamba. So mussten wir für unsere Spenden im Urlaub nicht mittragen, was sehr angenehm war. Bei der Einreise hatten wir keinerlei Probleme, unser Gepäck wurde nicht extra kontrolliert. Für den Fall einer weiteren Kontrolle hätten wir aber weitere Dokumente von Ekkehard dabei gehabt. Innerhalb der nächsten Wochen besuchten wir Cochabamba, Sucre, Potosi, Uyuni, La Paz, die Isla del Sol und wanderten den Choro Trek. Bolivien ist wunderschön und eine Rundtour ist sehr empfehlenswert. Nur der Choro Trek war für uns als untrainierte - ohne Wanderschuhe - zu anstrengend. Man kann in Bolivien sehr gut per Bus reisen, die Strecken sind teilweise allerdings sehr lang, so dass man Nachtbusse nehmen muss. Hier sind Cama - also Bettbusse empfehlenswert. Bei diesen hat man die Chance einige Stunden zu schlafen. Auch fliegen ist empfehlenswert, das war uns allerdings zu teuer. Hostals haben wir vor Ort gesucht oder am Tag vorher per Telefon reserviert. Hier kann man sich gut im Internet informieren oder am Lonely Planet orientieren. Auch Touren haben wir wenn nötig immer vor Ort gebucht, da man sich dadurch viel Geld sparen kann. Eine Handykarte mit Internet ist vor allem für den Hilfseinsatz empfehlenswert, da man dort sicher kein WLAN hat. Entel hat die größte Netzdichte in Bolivien. Wichtig: man muss die Simkarte kaufen und dann im großen Store der Stadt mit original! Reisepass registrieren lassen. Auch das Handy muss hier registriert werden.
Nach diesen wunderschönen zwei Wochen kamen wir mit dem Bus zurück nach Cochabamba. Dort wurden wir wieder von Ronald abgeholt und nach Huancarani gebracht. In Huancarani, dort befindet sich die feste Praxis des FCSM, lagern die Materialien für den mobilen Einsatz. Dort haben wir auch immer die Wochenenden verbracht. In Huancarani angekommen lernten wir die anderen Voluntarios für Bolivia movil (Julia und Anselm) sowie die Voluntarios für Huancarani (Victoria und Waldemar) kennen. Auch Ekkehard konnten wir nun endlich persönlich kennenlernen. Nachdem wir die Ausrüstung kontrolliert und ergänzt hatten, wurden wir am Montag mit einem Pick Up abgeholt. Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir Arque, wo wir die nächsten drei Wochen verbringen sollten. Unser Consultorio bauten wir in einem Nebenraum der örtlichen Klinik auf. Dort bekamen wir sogar ein OP Licht zur Verfügung gestellt. Leider hatte die Klinik kein fließendes Wasser, deshalb mussten wir immer Eimer mit Wasser schleppen. Interessanterweise hatte die Klinik bereits eine Zahnarztpraxis, die allerdings in den drei Wochen nur an einem Abend geöffnet hatte. Der örtliche Zahnarzt hatte wohl auch nichts dagegen, dass wir ihm die Arbeit abnahmen… Wir wohnten in einem Haus des Ordens Verbio Divino mit zwei Padres: Pablo und John. Die beiden haben sich super um uns gekümmert, wir wurden bekocht und die Einteilung der Patienten (Internatskinder zwischen 6-18) wurde auch von ihnen übernommen. Am Tag haben wir ca. 16 Kinder behandelt, ab und zu auch Erwachsene mit Zahnschmerzen. Wir konnten Reinigungen, Füllungen, Fissurenversiegelungen und natürlich Extraktionen anbieten. Zudem hatten wir jede Menge Zahnbürsten zu verschenken, auch die ein oder andere Zahnputzübung war nötig. Da die Kinder sehr viel Zucker konsumieren, ist bei den meisten auch einiges zu tun. Der Großteil der Kinder war zuvor noch nie beim Zahnarzt. Bei den Erwachsenen konnten wir oft leider nur noch extrahieren und eine Empfehlung für einen Besuch in Huancarani zur Prothesenherstellung anbieten. Wir konnten in den drei Wochen nicht alle Kinder vollständig behandeln, das Wesentlichste jedoch versorgen. Am Wochenende fuhren wir immer mit dem Bus zurück nach Huancarani, wo wir neben Cochabamba und Quillacollo auch Ausflüge nach Tarata und Villa Tunari machten.
Nach drei Wochen mussten wir uns leider von Julia und Victoria verabschieden. Dafür kamen Elina (Huancarani) und Laura (Bolivia movil) aus Deutschland zur Unterstützung. Wir machten uns mit dem Bus auf den Weg nach Arque und wurden von dort aus mit unserem Material in einem Pick Up nach Ovejeria gebracht. Ovejeria liegt von Arque aus eine Stunde den Berg hinauf. Auch hier sollten wir Internatskinder behandeln. In Ovejeria angekommen, bauten wir unser Consultorio in einem kleinen Haus des Ordens auf. Die Küche wurde als Consultorio umfunktioniert, der zweite Raum war unser Schlafzimmer. Hier wurden wir nicht extra bekocht, sondern haben mit den Internatskindern gegessen. Die Lehrer/Erzieher des Internats kümmerten sich um uns und übernahmen die Einteilung der Kinder. Neben den 16 Internatskindern kam des Öfteren ein Schmerzpatient aus dem Nachbardorf gewandert, um behandelt zu werden. Der Zustand der Zähne war vergleichbar mit den Kindern/den Bewohnern von Arque. Da es in Ovejeria nachts relativ kalt ist (es liegt auf über 3.000 Meter), mussten wir morgens das Wasser für die Behandlung auf einem Gasherd erwärmen. Außerdem empfiehlt es sich warme Kleidung mitzunehmen. Zudem gibt es in Ovejeria nur einen Laden mit Cola und Süßigkeiten, deswegen haben wir Obst und Brotaufstrich etc. aus Huancarani selbst mitgebracht, und unser Trinkwasser dort abgekocht. Wie auch in Arque sind wir freitags immer mit dem öffentlichen Bus nach Huancarani und sonntags zurück nach Ovejeria gefahren. Wobei die Busfahrt nach Ovejeria doch um einiges aufregender ist. Man bekommt einen guten Einblick wie eine typische Busfahrt auf dem Dorf abläuft! Am Wochenende haben wir Ausflüge nach Sipe Sipe und den Toro Toro Nationalpark gemacht.
In Arque und in Ovejeria wurde unsere Hilfe dankend angenommen. Leider konnten wir auch in Ovejeria in drei Wochen nicht alle Patienten vollständig behandeln. Es wäre also schön, wenn dort ein Team des FCSM in einem halben Jahr erneut vorbeifahren könnte.
Die sechs Wochen waren eine tolle Zeit, die wie im Flug verging und die ich wohl nicht so schnell vergessen werde. Neben der Möglichkeit zu helfen, konnte ich viel Behandlungsroutine sammeln und habe einige nützliche Tipps von den anderen Voluntarios bekommen. Da wir Voluntarios uns auf Anhieb sehr gut verstanden verbrachten wir unterhaltsame freie Wochenenden und Feierabende zusammen. Zudem hatte ich die einmalige Chance, einen tollen Einblick in das typische Leben der Landbevölkerung zu bekommen. Die Organisation war super, wir hatten immer einen Ansprechpartner und fühlten uns deswegen auch nie auf uns alleine gestellt. Ich kann Jedem empfehlen, sich für ein solches Projekt anzumelden. Auch ich werde -wenn sich die Chance ergibt- noch ein weiteres Mal bei einem Projekt des FCSM mitarbeiten!
Iris Schuster
 
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