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Huancarani 11. Januar - 04. März 2016
Am 07.01.2016 trafen wir uns, Meike Meischner und Dr. Siegbert Kiese,  im Amsterdamer Flughafen, um zu unserem Einsatz nach Huancarani, Bolivien, zu starten. Der Flug verlief planmässig bis auf die nervigen Wartezeiten zwischen den Flügen. Aber wir waren ja guter Dinge wegen der Aufgabe, die uns erwartete. Pünktlich nach 36-stündiger Reise wurden wir von Ronald Patzi, dem Projektleiter der Pirwa und unserem Ansprechpartner vor Ort, am Flughafen in Cochabamba abgeholt. Nach einem traditionellen und köstlichen bolivianischen Frühstück mit backfrischen Salteñas und heißem Api (heißes Maisgetränk), machten wir uns nach Huancarani zu unserem Einsatzort auf den Weg. Dort angekommen gab es einen herzlichen Empfang von Doña Adela, der Haushälterin der Pirwa und unserer Köchin für die nächsten acht bis zehn Wochen. Es herrschte rege Betriebsamkeit, da die Gebäudeaufstockung über dem Consultorio in vollem Gange war, wo unter anderem ein Dentallabor geplant war. Für Siegbert, der vor zwei Jahren kurz nach Eröffnung des Consultorio schon einmal hier war, gab es ein fröhliches Wiedersehen, nicht nur mit Doña Adela und ihrer Familie, Don Felipe, Wilfredo, Henry und Elias, sondern auch mit dem gewachsenen Bauschutt-Haufen der vorherigen und jetzigen  Bauarbeiten.
Schnell bezogen wir unser schönes, ebenfalls neu gebautes Apartamento, zwei kleine Schlafzimmer, ein großzügiger Wohnbereich, Küche und Badezimmer. Es fehlte noch an einigen Einrichtungs- und Ausrüstungsgegenständen, die aber in den nächsten Tagen mit Don Ronald besorgt wurden. Danach ging es mit Meike an die Besichtigung und Führung durch die Anlage. Sie war natürlich über  das komplett  und praktisch eingerichtete Consultorio sehr erfreut. überrascht war sie ebenfalls über die vielen großzügigen räumlichen Ressourcen der gesamten Pirwa

Trotz dreimonatiger Vakanz fanden wir das Consultorio in einem topp Zustand vor.

Nach einem ersten leckeren Mittagessen bei Adela ging es hoch motiviert an die Vorbereitungen für das Consultorio mit Vorfreude auf die Patienten, die wir am Montag erwarteten. Einige kleine Reparaturarbeiten, z.B. die Optimierung der Absauganlage, Instandsetzung der Beleuchtungsanlage, etc., waren schnell erledigt, kannte Siegbert ja die Schwachstellen des Systems.
 
Wir sollten mit den Erwartungen auf viel Patienten zunächst nicht enttäuscht werden, denn Montag und Dienstag hatten wir einen sehr regen Zulauf mit bis zu 14 Patienten. Das fing ja gut an!
 
In den nächsten Tagen kamen die Patienten zwar nicht mehr in dieser Menge, aber wir hatten große Zuversicht, dass sich unsere Anwesenheit hoffentlich sicherlich schnell herumsprechen würde. Natürlich hatten wir auch erhofft, dass durch die Organisatoren und Verantwortlichen der Anlage im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt worden wäre. Dem war aber leider nicht so. Der anfängliche Patientenstrom ebbte leider ab.
Um unsere Anwesenheit im Ort und in der Umgebung noch mehr bekannt zu machen, hängten wir in den Tiendas Bekanntmachungen des Consultorios auf, befestigten mit Schrauben und Nägeln an Strommasten Wegweiser, verteilten an Passanten auf der Straße und in den Truffis Visitenkarten in Form von Horariozetteln. Wir ließen auch keine Gelegenheit aus, um mit den Leuten auf der Strasse ins Gespräch zu kommen und auf uns aufmerksam zu machen. Leider waren die Wegweiser und die Tiendazettel nach einigen Tagen fast alle verschwunden,
 
warum auch immer. Wir hatten sie so hoch aufgehängt, damit die Kinder nicht daran kommen konnten. Wir stellten uns schon die Frage: Wer entfernt gezielt unsere Werbung?
 
So machten wir uns weiter daran, ein Konzept zu entwickeln, um  in der hiesigen Dorfschule eine Aufklärungskampagne in Sachen Zahngesundheit zu starten. Dieses erzählten  wir mehr beiläufig Don Ronald . Das wurde in sofern abwiesen, als es eine Absprache mit der Schule und den Zahnärzten des Consultorios gäbe. Es sei zwischen unseren Zahnärzten und der Schule abgesprochen, dass zweimal im Jahr, im April und September, Zahnärzte des Consultorios die Schule besuchen würden und im Gegenzug die Schüler in das Consultorio kommen würden. Das ist ja im Prinzip sehr gut, nur konnten wir davon leider nicht profitieren, und unsere Hoffnung auf eine weitere „Werbemaßnahme“ war gestrichen.
 
Nach circa vier Wochen hatten wir uns allerdings inständig  erhofft, dass die Patientenzahl sich durch unsere ständige Präsenz und unsere Werbungen erhöhen würde. Dem war leider nicht so. Erschwerend kam für uns natürlich hinzu, dass das Patientenaufkommen durch äußere Faktoren beeinflusst wurde: Eine ganze Woche war durch ein großes Bloqueo (Streik) der Transportunternehmen der gesamte Straßenverkehr lahmgelegt. Als der Bloqueo endlich aufgelöst wurde, begann die fast 14-tägige Karnevalszeit. Wir saßen oft untätig herum.
 
Die wunderbare Sonnenschutzanlage, die Siegbert und Jörn 2014 auf dem Dach installiert hatten, um ein schattiges Plätzchen zum Verweilen innerhalb der gesamten Anlage zu haben, war leider dem Neubau zum Opfer gefallen. Daher waren wir sehr froh, dass wir Doña Adelas Frauenarbeitsgruppe
motivieren konnten, uns innerhalb der Müll- und Bauschuttberge unter einem  Baum ein schattiges Plätzchen zu schaffen. Dort verbrachten wir den größten Teil des Tages mit Kaffee trinken und lesen. Trotz des Versprechens des zuständigen Architekten Don Carlos Martinez, nun endlich die Baumüll- und Abfallberge, den Haufen mit dem altern Bauholz, abzutransportieren, und die Anlage in einen angenehmeren Zustand zu verwandeln, passierte auch hier nichts.
Wir hatten nun gehofft, dass nach den drei Wochen (Bloqueo und Karneval) der Patientenansturm endlich erfolgen würde. Leider wurden wir auch diesmal wieder enttäuscht.
Mitte, Ende März sollte das neue Dentallabor eröffnet werden. Ekkehard war zwischenzeitlich eingetroffen, um die letzten Einrichtungsarbeiten für das Labor zu tätigen, Geräte aufzubauen, Material einzukaufen, etc.
Nun ist das Labor fertig gestellt und man muss schon sagen, es ist super schön und praktisch geworden. Jeder Techniker, der hier arbeiten wird, kann sich über diesen schönen Arbeitsplatz freuen.
Der erste Techniker wird nach Ostern beginnen. Alle Hoffnungen des FCSM und auch unsere liegen nun darin, dass mit diesem Labor und der Möglichkeit,  Prothesen herzustellen,  der Patientenansturm nicht mehr zu bremsen ist. Das kann aber nur dann passieren, wenn eine kontinuierliche Besetzung des Consultorios und Labors gewährleistet ist. Vakanzen von mehreren Wochen oder Monaten sind für das Projekt sehr schädlich.
Natürlich haben wir an den Wochenenden einiges von Land und Leuten kennen gelernt, so besuchten wir zum Beispiel den Nationalpark ToroToro mit seiner unglaublichen und imposanten Natur, den einmaligen Dinosaurierfußabdrücken, die Höhlen und Kavernen und den atemberaubenden Canyon Vergel. Ebenfalls stand der Besuch der Stadt Sucre  (der Cuidad Blanca) und der Minenstadt Potosi auf dem Programm. Der Besuch des Karnevals in Oruro musste leider wegen des Bloqueos zu unserem großen Bedauern ausfallen. Ebenfalls unternahmen wir ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung, zu den Aguas termales in Liriuni, zum Convent Santa Teresa, zur Christo-Statue und zu den vielen Märkten in Cochabamba.  
Für die zukünftigen Voluntarios wäre die Einrichtung eines WLAN sehr wünschenswert. Ein Voluntario-Telefon ist inzwischen vorhanden, um mit Ronald oder der Sprachschule Kontakt aufnehmen zu können.
Abschließend möchten wir noch anmerken:
Wir sind mit großen Zielen hierher gereist, haben  Zeit und Geld investiert, um für die gute Sache, der Verbesserung der Zahngesundheit der hiesigen Menschen,  einen Beitrag zu leisten. Meike natürlich mit großen Hoffnungen auf viele spannende Patientenfälle, Siegbert auch mit Hoffnungen darauf, dass sich in den zwei Jahren seit seinem letzten Aufenthalt einiges verändert hätte und die Kritiken des damaligen Erfahrungsberichtes angenommen worden wären und zumindest ansatzweise Früchte getragen hätten. Beide sind wir mehr enttäuscht als zufrieden, fahren jedoch mit der Hoffnung nach Hause, dass unsere Kritikpunkte nicht als persönliche Angriffe gewertet werden  sondern ernst genommen und konstruktiv verwendet werden.  Hoffentlich können wir in den Berichten unserer Nachfolger positive Tendenzen erkennen.
Wir beide, Meike und Siegbert, haben uns gut verstanden und auch beruflich wunderbar ergänzt. Auch mit den beiden Voluntarias Anja und Selina, die hier in der Pirwa ihr freiwilliges soziales Jahr (FSJ) ableisten, sind wir prima ausgekommen, haben einige gemeinsame Unternehmungen gemacht und viel gelacht. Anja wird darüber hinaus auch noch im Consultorio in die „Geheimnisse einer Zahnarzthelferin“ eingearbeitet, was sie mit großem Fleiß und Interesse prima meistert. Sie soll bis August den Zahnärzten/innen bei ihrer Arbeit im Consultorio assistieren.
Wir wünschen uns für die Zukunft des Consultorios sehr ein wesentlich stärkeres Engagement der dortigen Verantwortlichen Don Ronald & Co. Ohne diese Hilfe und eine entsprechende Vorarbeit in Bezug auf die Werbung für uns Zahnärzte sehen wir leider für einen Fortbestand des Projektes bereits jetzt schon die dunklen Wolken am Himmel aufziehen. Hoffen wir inständig, dass mit dem neuen Labor noch einmal eine deutliche und langfristige Kehrtwende zu ermöglichen ist.  

Trotzdem haben wir die Zeit dort genossen und werden sie nicht vergessen.

März 2016, Meike Meischner, Siegbert Kiese
 
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