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Huancarani   07.01. - 23.03.2018
Am 4.1.2018 brach ich auf, um zum 3. Mal in Huncarani/Bolivien im schön eingerichteten Consultorio die Zähne der Bevölkerung zu sanieren. Auf dem Flughafen in Amsterdam traf ich meine junge Kollegin Cordula, mit der ich die lange Weiterreise bis zum unserem Ziel antrat. Die Flüge verliefen pünktlich und ohne größere Probleme, nur die langen Wartezeiten auf den verschiedenen Flughäfen, zunächst in Amsterdam, dann in Lima und Santa Cruz waren schon recht nervig, so dass insgesamt eine Reisezeit von fast 36 Stunden dabei  herauskam (Zeitverschiebung mit berücksichtigt). Aber zu zweit hat man immer Unterhaltung und die Zeit geht doch recht schnell herum. In Cochabamba am Flughafen trafen wir auf den ZT Werner, der direkt von seinem Einsatz in Guadalupe/Ecuador kam. Leider kam Cordulas Koffer nicht in Santa Cruz an. Angeblich gab es Zollprobleme in Lima, dann in Santa Cruz, wo sie ihn letztlich eine Woche später höchstpersönlich abholen musste. Das fing ja gut an!
Der Taxifahrer José holte uns ab und brachte uns nach Huancarani, wo wir schon freudig von Doña Adela, der Haushälterin, Köchin und guten Seele der Pirwa  (Anlage der schweizerischen Fundacion "Pro Huancarani") erwartet wurden. Nach dem Bezug unserer Zimmer und Auspacken der Koffer, gab es erst mal  ein leckeres Mittagessen von Doña Adela. Wie hatte ich mich darauf gefreut!! Für Cordula war alles ganz neu und aufregend. Das Consultorio war in einem guten und aufgeräumten Zustand. Alles war ordentlich in den Schränken und Schubladen verstaut, hatten doch die letzten Zahnärzte bereits vor einigen Wochen Huancarani verlassen. Nur die von Ekkehard angekündigte, schlechte Absaugung war in einem jämmerlichen und sehr verdreckten Zustand,  so dass ich annehmen musste, dass ich sie vor zwei Jahren bei meinem letzten Aufenthalt letzmalig gründlich gereinigt hatte. Aber gewusst wie und wo, und schon schnurrte sie wieder mit voller Saugleistung. Die mitgebrachten Materialien wurden ausgepackt. Auch Werner musste erst mal sein Labor auf sein gewohntes Level bringen.
Sehr enttäuscht war ich, dass mal wieder eine Baustelle vor Ort war und sich draußen in unserem „Erholungbereich“ unter den schattenspendenden Bäumen wieder mal  oder immer noch der Bauschutt türmte, genau wie in den Jahren vorher. Nun waren hinter Doña Adelas Wohnräumen Räumlichkeiten für eine Physiotherapiestation  errichtet worden. Wenige Tage nach unserer Ankunft waren auch die Bauarbeiter verschwunden und haben alles, ihr Werkzeug, ihr Material, ihre Gerüste  wie man sagt: hinter ihrem Hintern zurückgelassen. So sollte es auch während meiner dreimonatigen Anwesenheit bleiben. Ebenso wurde auch der Bauschutt trotz felsenfest versprochener Abräumtermine nicht weggeschafft. Wir Voluntarios haben keinen Außenplatz für die Freizeit, einen Schattenplatz zum Verweilen. Und zwischen dem ganzen Unrat macht es ja nicht so große Freude, seinen Kaffee zu trinken oder sich zu entspannen.
Am Montag ging’s dann richtig los: Schon lange vor Praxisbeginn standen die Patienten vor dem Tor und warteten, dass sie endlich ihre Zahnprobleme angehen konnten. Das freute uns natürlich sehr. Adela hatte schon tüchtig die Werbetrommel gerührt. Auch Werner bekam gleich die ersten Abdrücke, so dass auch er durchstarten konnte. Und so blieb es eigentlich die ganze Zeit. Wir hatten so viel zu tun, dass wir teilweise die Patienten auf den nächsten Tag vertrösten mussten. Aber die Patienten nahmen uns das überhaupt nicht krumm, sie bedankten sich sogar und wünschten uns eine gute Erholung bis zum nächsten Tag.
So vergingen die Wochen. Jeden Tag volles Haus, unzählige Extraktionen, Füllungen, Placas, die eine oder andere Osteotomie. In diesen 3 Monaten haben wir nahezu 1000 Patienten behandelt.
Mit Cordula hatte ich eine wunderbare, liebenswürdige  und engagierte, sehr wissbegierige Kollegin, die vor nichts zurückschreckte, sich sehr geschickt beim Assistieren und Behandeln benahm und auch gute Verbesserungsvorschläge für zügigere Behandlungsabläufe, etc. hatte.  Es ist immer sehr interessant für mich zu sehen, wie unterschiedlich an den verschiedenen deutschen Universitäten die jungen Kolleginnen und Kollegen ausgebildet und für ihren Beruf vorbereitet werden.
An den Wochenenden hatten wir natürlich unser „Fortbildungsprogramm:Bolivienen erkunden“. Der Besuch der Stadt Cochabamba u.a. mit seinem „Christo de la Concordia“, die Stadt Sucre, Santa Cruz, Villa Tunari, etc. standen auf dem Programm. Man war ja schließlich nicht nur zum Arbeiten da. ZT Werner  verließ uns nach drei Wochen. Er wurde von Dorit, einer ZTM, abgelöst.  Mit Dorit hatte ich bereits 2017 eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit in Guadalupe verbracht, und ich freute mich auf die zukünftige Zusammenarbeit. Mit ihr kam Alex, eine Freundin von Dorit, die als ausgebildete DH (Dental Hygienist) unseren neu eingerichteten Prophylaxeraum einweihen sollte. Diesen hatten wir direkt neben dem  Consultorio etabliert, damit eine optimale Kommunikation zwischen Zahnarzt und DH und für den Patienten kurze Wege möglich waren. Die „Sala de Limpiezas“ wurde schlagartig von den Patienten sehr gut angenommen. Auch die kleineren Patienten wurden von uns zur Putzunterweisung und Ernährungsaufklärung im Beisein ihrer Eltern der DH übergeben.
Es war ein wunderbares gemeinsames Arbeiten, alles lief richtig rund!
Für Cordula ging nach 6 Wochen ihre Zeit vorbei. Sie reiste anschließend nach Chile, wo sie mit ihrer Schwester in einem  Dachzelt-Van das Land erkunden wollten.
Am 17.2. stieß dann Priscilia, ebenfalls frisch approbierte, junge Kollegin zu uns. Auch sie reihte sich schnell mit ihrer frischen, engagierten und liebenswürdigen Art ins Team ein, so dass wir auch weiterhin dem großen Patientenandrang locker entgegentreten konnten.  Dorit und Alex verließen dann auch schon wieder nach drei Wochen unsere lustige Truppe. Die Zeit verging einfach zu schnell. Als ZT verstärkte dann die Zahnmedizinstudentin Hannah das Team, die auch bis zum Ende meiner Zeit dort blieb. Gemeinsam unternahmen wir Ausflüge nach Sucre, an den Salar Uyuni und die fantastische und tief beeindruckende Wüstenwelt der Lagunen und Vulkane.
In den letzten 2 Wochen kam noch Aline als DH zum Team, die zum einen als spanisch muttersprachlich,  zum anderen aber auch mit ihrer ehrlich-fröhlichen Art schnell die Herzen Aller eroberte. Sie brachte die Sala de Limpiezas noch einmal während meiner Zeit mit sehr vielen Patienten kompetent richtig  „zum Glühen “.
Es hat wieder unglaublich viel Freude gemacht, mit netten und gleichsam engagierten Menschen der Bevölkerung von Huancarani und Umgebung zu einer besseren Zahngesundheit zu verhelfen. Wir konnten sowohl für die Kleinen aber auch für die Großen Aufklärung in der Ernährung und Unterweisungen im richtigen Gebrauch der Zahnbürste geben. Eine besondere Freude und das größte Dankeschön aber waren, wenn eine neue Placa ein glückliches und zufriedenes Lächeln in die Gesichter dieser dankbaren  Menschen  zauberte.
 
Hasta luego 2020!! Dr. Siegbert Kiese 4/2018
 
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