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Blümich, Laura

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Huancarani 14.5.-26.6.2014 
Mitte Mai machte ich mich also auf den Weg nach Huancarani. 28h Flugzeit später wurde ich von der Familie Hinojosa herzlich am Flughafen empfangen. Die ersten zwei Tage verbrachte ich zur Eingewöhnung bei einer Gastfamilie, bevor ich nach Huancarani zog. Das Wochenende vor der Praxisöffnung verbrachte ich damit, Flyer und Handzettel zu drucken und diese im Dorf aufzuhängen und zu verteilen. Dieses Werbeprojekt, welches ich mehrmals wiederholte, war nicht immer von Erfolg gekrönt, denn zumeist fand ich meine Werbung zerrissen auf dem Boden wieder.
Am ersten Tag warteten gleich mehrere Patienten vor der Praxis auf mich. Leider funktionierte noch nicht alles wieder so einwandfrei, denn nach dem ersten Patienten stieg erstmal die Absauganlage aus und dann auch noch die Wasserzufuhr für die Einheit. Wie man die Absauganlage wieder fit bekommt ist ganz wunderbar in Ekkehard’s Pflegeanleitung erklärt. Wie man das Wasser wieder zum Laufen bekommt: Letztendlich waren wohl die Düsen der Sprayvitansätze verstopft. Diese bearbeitete ich mit Endofeilen und Drähten aus Kabelbindern. Die Praxis ist ansonsten wirklich super ausgestattet, das Material und Equipment entspricht europäischem Standard.
Das zahnärztlicher Geschäft lief nach dem ersten vielversprechenden Tag leider nur noch sehr schleppend, was sicherlich dadurch zu erklären ist, dass das Projekt zuvor mehrere Wochen unbesetzt gewesen war.  Ein Problem, mit dem ich zusätzlich konfrontiert wurde, war zudem, dass viele Patienten auf Grund des fehlenden Pflichtbewusstseins für ihre Mundhygiene erst in allerletzter Not zur Behandlung kommen und sich dann an maximal tiefenzerstörten Zähen Füllungen wünschen, bei denen wir als Ärzte allerdings nur noch zur Zange greifen können. Hier bekam ich dann des Öfteren zu hören: Da gehe ich doch lieber zu einem einheimischen Zahnarzt.
Ich versorgte während meines 6- wöchigen Aufenthaltes die Patienten mit Kunststofffüllungen, PZR und Extraktionen.
Auf Grund des Patientenmangels nutzte ich die Zeit, um auf der Pirwa eine wöchentliche Zahnputzeinheit einzuführen. Meist donnerstags übte ich also mit den Kindern und unseren Zahnbürsten erstmal trocken an Modellen und dann aktiv mit Zahnpasta. Hierbei waren die Kids immer voller Eifer dabei. Sachspenden wie Zahnbürsten und Zahnpasta sind dafür immer gerne gesehen. Die Firmen TePe, GaBa und Wirgleys haben mich hierbei in der Vorbereitung auf das Projekt mit Material-spenden unterstützt.
Huancarani ist mit dem Trufi (Sammeltaxi) etwa 75 Minuten von Cochabamba entfernt. Umsteigen muss man im etwa 30 Minuten entfernten Quillacollo, wo es an den Straßen um den Plaza Bolivar einen Markt gibt, auf dem man alle Lebensmittel ( Früchte, Gemüse, Brot und Molkereiprodukte) für den alltäglichen Bedarf einkaufen kann. Wer etwas mehr Auswahl braucht, bekommt diese auf dem 5 de Mayo Markt in Cochabamba in der Nähe der Plaza Principal oder für westliche Verhältnisse in einem der zwei Supermärkte der Stadt. Die beiden Cafés "Espresso " und "Paris" in der Nähe der Plaza bieten zudem kostenfreies WLAN an.
Ansonsten gibt es im Dorf zahlreiche Tiendas, in denen man auch so gut wie alles kaufen kann, und mit den zwei Internetcafes am Dorfeingang kann man den Kontakt zur Außenwelt halten. An die vielen streuenden Hunde in Bolivien musste ich mich erst gewöhnen. Besonders an die 3 relativ aggressiven direkt vor der Haustür, dir mir nicht immer positiv gesinnt waren.

Zurückblickend kann ich sagen, dass es eine wirklich schöne und erfüllende Zeit war. Wenn sie auch ihre Tiefpunkte hatte und teilweise durchwachsen war, kann ich nur jedem empfehlen, sich an solch einem Projekt zu beteiligen und diese Erfahrung zu machen, denn schließlich wachsen wir mit unseren Aufgaben.
Laura Blümich
 
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