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Hartmann, Sophie

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Huancarani Januar - Februar 2015
Für mich ging es nach einer wirklich sehr unkomplizierten Anmeldung beim FCSM Anfang dieses Jahres nun, nach einer Kursreise 7 Jahre zuvor, zum zweiten Mal nach Bolivien.
Dort wurde ich auch sehr persönlich und geduldig (trotz einiger Verspätung meines Fluges) von Ronald am Flughafen in Empfang genommen, der einem i.d.R. auch direkt nach Ankunft in Cochabamba eine Einkaufsmöglichkeit bietet, um sich vorerst mit den wichtigsten Lebensmitteln einzudecken.
Unterkunft: Die Volontärs-Wohnung ist auf gutem europäischen Standard und verfügt über ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer, ganztägig warmes Wasser (seltene Ausnahmen stellten sehr kalte und regnerische Vortage dar) und eine gut ausgestatteten Küche. Außerdem steht zur abendlichen Unterhaltung ein Fernseher mit DVD-Player und riesiger DVD-Sammlung zur Verfügung.
Arbeiten: Auch wenn die Einheit im Vergleich zum deutschen Standard etwas gewöhnungsbedürftig ist und ihre Eigenarten hat, kann man mit ein paar Tagen doch gut damit arbeiten. An Materialien ist sicherlich alles vorhanden, was das junge Dentistenherz begehrt, sodass ein schnelles und unkompliziertes Arbeiten gut möglich ist. Bei der Behandlung der einheimischen Bevölkerung wird einem schnell bewusst, dass das Hauptproblem in der jüngeren Generation liegt. Auch wenn die ältere Generation manuell eher ein suboptimales Putzverhalten an den Tag legt, ist hier der Zuckerkonsum jedoch weit geringer als bei den Kindern, dadurch auch eher weniger Behandlungsbedarf. Bei vielen Kindern ist der Zuckerkonsum rund um die Uhr Alltag. Bei Gesprächen mit den Eltern wird oftmals auch klar, dass es einfach kein Bewusstsein für die zahnschädliche Wirkung von Zucker und Säuren gibt. Hier sollte in Zukunft also ein Hauptfokus auf die Gesundheitsaufklärung gelegt werden, evtl. auch Präventionsstunden in den Schulen oder auf den Dorfversammlungen geplant werden. Neben der Aufklärung und Putzinstruktion liegt der Hauptarbeitsbereich in Huancarani auf Compositefüllungen und PZR.
Einkaufen: In den zahlreichen Dorfläden lassen sich Brot, Eier, Joghurt sowie Milch und sogar Sojamilch besorgen. Für frische Lebensmittel muss man sich entweder auf die Lauer nach den unregelmäßig umherfahrenden Lastwagen legen, die die zu verkaufende Ware relativ schwer verständlich über Megafone ankündigen, oder zum Markt in Sipe Sipe wandern, der fußläufig in rund 40min oder mit dem Trufi ab der Hauptstraße in 5-10min zu erreichen ist. Noch frischer wird's nur noch auf dem Markt in Quillacollo, der ebenfalls ein wenig beschwerlich mit dem Trufi erreichbar ist.
Für exotische Wünsche kann einer der XXL-Supermärkte in Cochabamba besucht werden, wo  alles zu finden ist.
Freizeit: An den Wochenenden, lassen sich in der Region Cochabamba einige Ausflugsziele wie die Semi-Jungle-Stadt Villa Tunari oder der Nationalpark Toro Toro mit öffentlichen Kleinbussen ab Cochabamba oder in privaten Shuttles über Reiseagenturen in 4-5h Fahrt erreichen. Auch die direkte Umgebung Huancarani´s bietet neben heißen Quellen auch ein gepflegtes Freibad in Sipe Sipe und sicherlich noch viele weitere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Doña Adela´s Sohn Wilfredo steht den Volontären da auch gerne mit Tipps und Vorschlägen zur Seite.
Betreuung: Ronald schaut regelmäßig vorbei, schaut nach dem Rechten und steht auch ansonsten mit Rat und Tat telefonisch oder persönlich zur Verfügung. Auch die Hilfe durch Doña Adela und ihre Familie ist in allen möglichen Belangen immer sehr viel wert.
Bei zahnmedizinischen Schwierigkeiten steht Ronalds Bruder zur Verfügung. Natürlich kann Ekkehard auch, soweit es über den Mailverkehr möglich ist, weiterhelfen.
Fazit: Ich habe es auf keinen Fall bereut, diese für mich einmalige Chance über den FCSM wahrgenommen zu haben. Gerade für junge Zahnärzte ist es eine super Möglichkeit, etwas Erholung und Abstand vom vorangegangenen Examensstress zu gewinnen und trotzdem zu lernen, selbstständig zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen, Therapiepläne zu entwickeln und einfach fachlich und manuell auf dem Laufenden zu bleiben.
Bolivien ist und bleibt für mich eines der faszinierendsten und spannendsten Länder dieser Erde und wenn man bereit ist, auf ein wenig Komfort und deutsches Ordnungsdenken zu verzichten, ist man schnell begeistert von der Schönheit und Vielfältigkeit dieses Andenstaates. Selbst bei meinem nun zweiten Besuch bieten sich doch trotzdem immer wieder neue Naturschauspiele und Ausflugsziele.
Bolivien ist für jeden eine Reise wert, der bereit ist, sein Herz und seine Augen für mehr zu öffnen, als für sauber manikürte Großstadtbetonwüsten und perfekt angelegte Touristensammelbecken!
Sophie Hartmann
 
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