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Putze, Patrick 2

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Bolivia movil, 11. - 29.09.2017
Bolivien - auf ein Neues! Nachdem ich vor 3 Jahren schon als Student das Glück hatte, 6 Wochen in Bolivien zu behandeln, bin ich nun im September 2017 nochmal vor Ort gewesen. Diesmal in anderer Rolle - als fertiger Zahnarzt mit ca 2 Jahren Berufserfahrung. Ein bisschen mehr Verantwortung aber auch erneut viel Spass, wie sich später heraustellen sollte. Nach einer kleinen Flugodyssee traf Ich also am Flughafen in Sucre ein und wurde gleich von Ekkehard empfangen, der mich erstmal zum Hotel brachte und mir die Gruppe vorstellte, mit der ich die nächsten 3 Wochen zusammen verbringen durfte. Mit Julia und Nawid hatten wir ein super harmonierendes Team, das gut miteinander ausgekommen ist, und mit der man auch am Wochenende das ein oder andere unternehmen konnte. Natürlich kommt das Arbeiten bei so einem Einsatz nicht zu kurz, aber in so einem großartigen und fremden Land muss man die Wochenenden einfach nutzen, um Bolivien zu erkunden. Und so waren wir ziemlich direkt nach meiner Ankunft auf dem Weg nach Potosí um eine der höchst-gelegenen Städte der Welt und ihre Silberminen zu erforschen - ein unvergessliches Abenteuer.
Sonntag gings dann los nach Zudañez - unser Arbeitsplatz für die nächsten 3 Wochen. Julia und Nawid waren ja schon vor meiner Ankunft 3 Wochen am arbeiten, und auch Natalie, die Zahnärztin die das Team bis dahin begleitet hatte, war noch für den Montag da, um mir den Einstieg etwas zu erleichtern. Die Einheiten und die Ausrüstung kannte ich natürlich schon vom letztem Mal, der Unterschied zum Arbeiten in Deutschland ist auf jeden Fall vorhanden aber hat definitiv seinen Charme.
Zudañez ist eine kleine Gemeinde circa 2 Stunden von Sucre entfernt, und unsere Arbeitsstätte war die örtliche Schule mit Schülern zwischen 6-13 Jahren. Untergebracht waren wir bei den netten Leuten von Fe y Alegria, einer gemeinnützigen Organisation, die eine kleine Station in Zudañez betreibt. Natürlich ist das kein deutscher Hotelstandard sondern Jugenherbergencharme, aber das sollte jedem klar sein, der sich auf so ein Abenteuer einlässt.
Noch etwas geschafft vom Wochenende starteten wir also Montag morgens in meine erste Woche - und zu tun gab es auf jeden Fall ordentlich. Die Mundgesundheit in Bolivien ist, wie man sich eventuell denken kann, nicht gut, Mundhygieneinstruktionen haben die meisten Kinder in ländlicheren Umgebungen nie bekommen, Zahnbürsten haben die wenigsten, in den meisten Getränken sind Unmengen Zucker und der lokale Zahnarztbesuch kommt für die meisten aus Geldgründen einfach nicht in Frage. Und da kamen wir ins Spiel - mit Zahnbürsten, verständlichem Spanisch (Danke Julia ;) und oft dann auch dem Bohrer taten wir uns an, die Situation der Kinder zu verbessern. Unser Behandlungskonzept bestand hauptsächlich darin, jedem Kind eine Zahnreinigung zu ermöglichen, Mundhygieneinstruktionen weiter zu geben und Karies an bleibenden Zähnen zu beseitigen. Da ich auch chirurgisch sehr interessiert bin, entfernten wir am Ende doch auch einiges an Zähnen, in vielen Fällen mit Osteotomie. Und die Kleinen machten in den meisten Fällen wirklich erstaunlich gut mit - da ist man doch etwas härter im Nehmen als zuhause! Angefangen mit den älteren Schülern arbeiteten wir uns also innerhalb der 3 Wochen zu den Jüngsten hinunter. Wurzelkanalbehandlungen waren nicht wirklich möglich, wer eine benötigte, wurde von uns zur örtlichen Zahnärztin geschickt, wo allerdings die wenigsten wirklich vorstellig wurden - die andere Option war natürlich immer die Extraktion. Alles in allem fand ich grade den Unterscheid zur Behandlungsrealität in Deutschland erfrischend - hier muss man zum Beispiel nicht bei jeder Füllung über Mehrkosten reden, sondern kann sich komplett auf den Patienten konzentrieren. Außerdem hat es mir enorm Spaß gemacht, Julia und Nawid etwas weiterzubringen - was ich hoffentlich auch in Maßen geschafft habe ;) . Mein Spanisch war bis auf die FCSM Spanischliste eigentlich auch nonexistent, weshalb ich sehr glücklich war, dass Nawid und Julia sprachlich etwas besser gebildet waren.
Die Wochenenden dazwischen verbrachten wir dann wie bereits erzählt mit spannenden Touren - ausser Potosí machten wir noch einen sehr interessanten Pferdeausritt in Sucre, besuchten das örtliche Fussballspiel von Universitario, schwangen uns für eine Tagestour auf Quads, besuchten den Wochenendmarkt in Tarabuco und verbrachten den ein oder anderen geselligen Abend in Sucre mit unseren ausgesprochen sympatischen Kollegen aus dem zweiten Boliva movil-Team: Dieter, Haoran und Boris.
Alles in allem ein rundum aufregendes Abenteuer, wenn man den Zahnarztberuf mal aus einer anderen Sicht erleben will und sich auf so ein entferntes schönes Land einlassen kann. Jederzeit wieder gerne! Vielen Dank auf jeden Fall an meine beiden Partner in Crime, Julia und Nawid, und natürlich auch an Ekkehard für die gesamte Organisation.

Patrick Putze
 
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