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Rusche, Birgit

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Drei Wochen in Huancarani  13.6. - 3.7.15
Schon während meiner Studienzeit stand für mich fest, dass ich nach bestandenem Examen ein zahnärztliches Hilfsprojekt unterstützen möchte. Das Projekt vom FCSM in Huancarani hat mich sofort angesprochen und der dortige Aufenthalt war schnell und unkompliziert organisiert.
Bei der Flugbuchung hatte ich einen zweitägigen Aufenthalt in Madrid eingeplant. Woran ich dabei allerdings nicht gedacht hatte war, dass mein Rucksack aufgrund der mitgenommenen Spenden sehr schwer war. Die zusätzlichen mit Spenden bepackten Taschen haben mich wahrscheinlich wie einen Lastesel aussehen lassen. Da war es nur ein Vorteil, dass ich nachts um ein Uhr in Madrid ankam und mit meinem Gepäck nicht durch die Mittagshitze zu meinem Hostel laufen musste. Madrid ist wirklich eine wunderschöne Stadt und ich konnte dort meine eingerosteten Spanisch-Kenntnisse schon einmal auffrischen.
Beim Einchecken für den nächsten Flug von Madrid nach Santa Cruz wäre meine Reise dann auch schon fast wieder zu Ende gewesen. Man braucht unbedingt ein Weiterreiseticket aus Bolivien heraus. Nach einigem Hin und Her wurde dann aber mein Flugticket von Peru nach Kolumbien akzeptiert. Weil in dem BOA (Boliviana de Aviación) Flugzeug überhaupt kein Unterhaltungsprogramm zur Verfügung stand, habe ich den Nachtflug komplett verschlafen. Dies hat wahrscheinlich zu meiner schnellen Anpassung an die neue Zeitzone beigetragen. Beim Zoll gab es keine Probleme. Da ich wie ein Lastesel aussah, hat es dem Beamten gereicht, einmal kurz in eine Packung voller kleiner Zahnpasta-Tuben hineinzuschauen. Er hat sich zwar gewundert, warum ich so viele brauche, mich dann aber achselzuckend durchgewunken. Und dann war ich endlich da. BOLIVIEN!
Da ich die einzige Europäerin in dem Flugzeug nach Cochabamba war, erkannte mich Ronald sofort als Voluntaria. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung ging es dann auch gleich los. Nach einem kurzen Stopp auf einem lokalen Markt, bei dem ich gleich eine mit Käse gefüllte Empanada mit Puderzucker bestreut (lecker!) probiert und Ronald über die mir unbekannten Früchte, Kartoffeln und Gemüsesorten ausgefragt habe ging es weiter zum Consultorio Dental. Dort wurde ich freudestrahlend von Insa und Doña Adela empfangen. Von der Unterkunft für die 
Voluntarios war ich sehr positiv überrascht. Ein riesiges Zimmer für mich alleine und alles an Ausstattung vorhanden was man sich nur wünschen kann.
Am nächsten Montag haben wir voller Vorfreude auf den ersten Patienten alles vorbereitet und dann gewartet und gewartet. Leider kam kein Patient. Und das ist auch das einzig Negative, dass es in meinem drei-wöchigen Aufenthalt zu bemängeln gibt: Das leider zum Teil sehr geringe Patientenaufkommen. Ich weiß nicht, woran es lag, aber im Laufe der Zeit ist es besser geworden. Vielleicht hat es ja etwas gebracht, dass wir häufiger in der Mittagspause durch das Dorf spazieren gegangen sind und unsere Präsenz gezeigt haben, wer weiß. Wenn kein Patient da war, konnte man die Seele auf der Sonnenterrasse über dem Consultorio baumeln lassen und das herrliche Bergpanorama bestaunen oder seine Spanisch Kenntnisse verbessern.
Wenn uns Patienten konsultierten, konnte man das ganze Spektrum der Zahnheilkunde anwenden. Das Consultorio ist auch bestens mit allem ausgerüstet, so dass es an keinen Arbeitsmaterialien fehlt. Es war immer eine Freude, so freundliche und dankbare Patienten behandeln zu können.
Mit das Highlight meines Aufenthaltes war der Besuch in der örtlichen Schule. Dort erklärten wir den Schülern mit Hilfe von Felipe, dem kleinen Stoff Drachen der im Consultorio „wohnt“, was gut und schlecht für die Zähne ist und wie man sie pflegt. Bei der anschließenden praktischen Zahnputzübung offenbarte sich, dass viele Kinder noch nie eine Zahnbürste in der Hand hatten und der Blick in die offenen Münder offenbarte ECC in allen Stadien. Dies verwundert nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass die meisten Kinder immer Süßigkeiten im Mund hatten und das kostenlose Schulfrühstück aus einem stark gezuckerten Trinkjoghurt mit Fruchtaroma besteht. Es war aber sehr schön, zu sehen, dass unsere Aufklärungsbemühungen Früchte trugen, denn einige Schüler kamen anschließend selbstständig in das Consultorio und brachten zum Teil ihre Geschwister und Mütter mit. Ob sie nur gekommen sind, um Felipe einmal selbst in die Hand nehmen zu dürfen, oder weil sie verstanden haben, dass frühzeitige und regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt sinnvoll ist, sei dahingestellt. Aber wenn Felipe dazu beigetragen hat, dann kann ich nur jedem weiteren Voluntario empfehlen ihn einzusetzen. Die Kinder lieben ihn.
Ich hoffe, dass in Zukunft weiterhin eine enge Verbindung zwischen der Schule und dem Consultorio besteht. Denn mit ein paar Fissurenversiegelungen hätten etliche 6-Jahres Molaren gerettet werden können.
Ansonsten gibt es in der näheren Umgebung genügend Ausflugsziele für die Wochenendgestaltung. In Cochabamba kann man auf den Cristo de la Concordia steigen oder auf der Cancha (Markt) einkaufen. Der Cerro Tunari (ca. 5035m) bietet sich als Tagesausflug an, genauso wie Inca Rakay (eine alte Inka-Stätte). Besonders beeindruckend ist es hier, den Neujahrsbeginn nach dem Aymara Kalender (21. Juni) zu feiern. Für einen Wochenendausflug bietet sich unter anderem der Toro Toro National Park an.
Da Bolivien noch viel mehr zu bieten hat (Salar de Uyuni, Sajama NP, Jungle, Pampas und beeindruckende Städte wie Sucre, Potosí, La Paz) lohnt es sich definitiv, nach der Arbeit im Consultorio das Land zu erkunden. Die Menschen sind sehr freundlich, neugierig und absolut hilfsbereit.
Insgesamt eine tolle Erfahrung, bei der ich sehr viel gelernt und Einblicke in eine andere Kultur erhalten habe, die ich nicht vergessen werde.

Birgit Rusche
 
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