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Buttiens, Laura

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Huancarani, 09. Januar bis Mitte Februar 2017

Es ist Anfang Januar, Deutschland steckt im tiefsten Winter...wir können entfliehen: unsere Famulatur in Bolivien beginnt. In den nächsten Wochen werden wir als frisch gebackene Zahnärztinnen bolivianische Patienten behandeln und dabei unsere Spanischkenntnisse unter Beweis stellen.
I. Reisegepäck
Hier stellt sich die erste wichtige organisatorische Frage für die Reise: Was packe ich ein für ein Land, in dem gerade Sommer ist, in dem Regenzeit herrscht und wo wir uns zudem auf 2.800m Höhe befinden...das bedeutet: Sonne.... Regen...Kälte...doch was bringt so ein Land noch mit sich? Wie sieht es mit der bolivianischen Küche aus? Auf was können wir uns einstellen? Sollten wir Notfallnahrung mitbringen? ;) ... Fragen über Fragen, die wir, nach wochenlanger Bolivien-Erfahrung hier nun klären können. Unsere ultimativen Must-Haves für das Reisegepäck: 1. Sommerkleidung: von kurzer Hose über Sonnencreme (hohe Stärke) bis Sonnenhut ist alles zu empfehlen: selbst die Einheimischen tragen immer Ihren beliebten Sonnenschutz (Strohhut, mit/ohne Blümchen, die sogenannten „Cholitas“ usw..), denn auch wenn die Sonne scheinbar nicht scheint, ist es außergewöhnlich hell und es besteht trotzdem Sonnembrandgefahr ;). 2. Wärmere bzw langärmlige Kleidung: wer nicht gut genug ausgerüstet ist, kann sich vor Ort eine der zahlreich angebotenen superwarmen Ponchos oder Pullis aus guter (und günstiger!:)) flauschiger Alpakawolle kaufen, die richtig schön warm sind. Außerdem gilt: je mehr hautbedeckende Kleidung, desto höher der Moskitoschutz. Auch, wenn wir uns auf über 2.000  m Höhe befinden, gibt es trotzdem noch ein paar Moskitos. Vor allem nachts schlagen sie zu;). Hiergegen hilft zusätzlich ein Moskitospray.... ein extra Moskitonetz hingegen ist nicht nötig;)
3. Zum Thema Nahrung: Stellt euch darauf an, dass in einem Land wie Bolivien bestimmte Süßigkeiten wie Schokolade eher seltener zu finden sind und entsprechend teuer sind. Also haut nochmal ordentlich rein;). Ggf könnte man sich ein Glas Nutella/ Marmelade einpacken;). Man wird zwar auch vor Ort viele farbenfrohe zuckrige Süßigkeiten finden, diese sind aber für unsere deutschen bzw zahnmedizinischen Verhältnisse seeehr verzuckert, was den eigentlichen Geschmack schnell übertönt. A propos Essen: Das Essen von Doña Adela, das man hier serviert bekommt, schmeckt gut und wird immer frisch zubereitet. Wichtig ist, dass man am Anfang klarstellt, wer Vegetarier/in ist und wer nicht;). Nicht, dass es so wie bei uns ist, dass die Fleischesser ebenfalls vegetarische Kost erhalten. Ruhig sagen, dass man gerne Fleisch isst, Adela wird sich sehr freuen:). In den ersten Tagen macht sie sich ein Bild davon, wieviel ihr esst und tischt euch in der kommenden Zeit die entsprechenden Portionen auf:). Zögert nicht, nach einer 2. Portion zu fragen oder ihre Frage "Quieres mas?" mit einem "Si, gracias" zu bejahen:).
4. als letztes, oder sogar vielleicht als erstes, ist einzuplanen, dass in eurem Gepäck noch ein wenig Platz bleiben muss für ein Päckchen vom FCSM mit zum Behandeln benötigten Utensilien (es wird euch kurz vor der Reise noch zugeschickt). Nachteil: es nimmt einiges an Platz weg und ist gar nicht mal so leicht;). Vorteil: nachdem ihr die Sachen abgeladen habt, gewinnt ihr wertvollen Platz für Souvenirs, den ihr ansonsten erfahrungsgemäß wohl nur mit dem x-ten T-Shirt gefüllt hättet;).
II. auf dem Dorf - Hunde
Nach wenigen Tagen zieht es euch sicher raus aus dem gemütlichen überschaubaren Bergdorf in die Stadt. Hierbei ist folgendes zu beachten: wie man schon an der Wohnanlage erkennt, die von einer hohen Mauer mit integriertem Glasscherbenschutz obendrauf abgesichert ist, und den drei Hunden, die die Bewohner beschützen, wird hier auf Sicherheit großen Wert gelegt. Hunde sind sehr beliebte Haustiere bei den Dorfbewohnern, es gibt einige davon, von denen die meisten vor den Häusern auf der Straße wachen. Im Gegensatz zu den Einheimischen sollte man sich im Klaren sein, dass wir, als"Fremde", für sie eine potenzielle Gefahr darstellen. Man muss damit rechnen, dass einige der Hunde
das einem deutlich zeigen, indem sie einen laut anbellen und auf einen zukommen. Hierfür empfiehlt sich als "Notwaffe" Stock und Stein und eine laute Stimme! Wer bei letzterem noch Probleme hat, dem kann Adella einiges beibringen in Sachen "Hunde verscheuchen"!
III. in der Stadt
Wenn man den hundereichen "Camino" Richtung Dorfkern bzw Hauptstraße hinter sich gebracht hat, winkt man sich eins der im Minutentakt vorbeifahrenden sogenannten "Trufis" herbei, Kleinbusse, die hier in Bolivien als gängiges Transportmittel dienen, und die einen für nur ein paar Bolivianos günstig in die nächste Stadt (Quillacollo) bringen. Hier erwartet euch das nächste Abenteuer: in Bolivien spielt sich das Leben draußen auf den Straßen ab. Man findet ganze Märkte, vereinzelt Straßenverkäufer am Gehsteig oder auch mobile Händler, die ihre Waren an den Mann bringen möchten. Hier sind Geduld und Aufmerksamkeit gefragt, wenn man sich den Weg durch die Menschenmassen bahnt. Gleichzeitig sollte man sich das riesige Angebot an Essen, Trinken, Stoffen, Kleidung, Souvenirs, „Artesanias“ und sonstigen Dingen die man zum Leben braucht (oder auch nicht;), nicht entgehen lassen. Wer hier nicht fündig wird, oder noch nicht genug bekommen hat, kann weiterfahren in die nächstgrößere Stadt Cochabamba, die mit dem "La Cancha"- Markt den größten Markt Südamerikas zu bieten hat. Lasst euch von dem Getummel, das nochmals um einiges anstrengender ist, als in Quillacollo, nicht zurückschrecken...der Besuch lohnt sich. Wer kulinarische Mitbringsel sucht, wird in einer der vielen  "Liquorerias" fündig. Wir empfehlen die am "Placa de ….", hier werdet ihr von "Erike", dem Besitzer, sehr gut beraten, was Wein (sehr typisch für Bolivien!), Coca-Likör oder sonstige Spirituosen angeht. Auch den typischen bolivianischen Kaffee bietet er an.
IV. zahnärztliche Tätigkeit
Und nun zum wichtigsten Punkt, dem Hauptgrund dieser Reise: die Famulatur bzw die Arbeit;): Wir hatten das "Glück", die ersten Voluntarios des Jahres 2017 zu sein, was bedeutete, dass bei unserer Ankunft, nicht wie sonst, noch die vorherigen Volunteers da waren und uns eine Einweisung geben konnten, sondern wir auf uns allein gestellt waren…genauso in allen anderen Punkten der Arbeit...hier waren wir unser eigener Chef, und dafür zuständig, dass der Laden läuft;)...also setzten wir, als Examensfrischlinge, unser ganzes erlerntes Wissen von der Theorie nun um in die Praxis. Gesagt, getan. Und so hatten wir uns bereits nach wenigen Tagen in das Arbeitsleben eingelebt und fanden uns gut zurecht. Man merkt schnell, dass in Bolivien der Schwerpunkt der zahnärztlichen Tätigkeit auf anderen Bereichen beruht als in Deutschland...gerade so Dinge wie "Zähne ziehen", was in unserem Studium eher hinten angestellt wurde, sind hier von großer Bedeutung. Hier konnten wir uns an vielen zerstörten Zähnen versuchen.... mit steigendem Erfolg:). Auch, was die Konversation mit den spanisch sprechenden Patienten angeht, ist einiges zu beachten: die erste Hürde stellt die Sprache an sich dar, die man jedoch schnell überwunden hat, dank der praktischen zahnmedizinischen Vokabelzusammenfassung und deren tägliche Anwendung. Die zweite Hürde besteht in dem fehlenden Wissen der Patienten über Zähne und deren Pflege. Bei manchen Patienten muss man ganz von vorne anfangen. Für sie ist es schon eine Herausforderung, auf die Frage, wie oft man Zähne putzen muss, richtig zu antworten. "2 Mal..", "..pro Woche?", fragte eine Patientin.
Zwar waren wir erst einmal auf uns allein gestellt, doch die hilfsbereiten Bolivianer vor Ort, die der Organisation angehörten, hatten immer ein offenes Ohr für uns und so konnten wir uns einen erfahrenen Zahnarzt an Land ziehen der uns einiges in Puncto Extraktion lehrte. Auch, wenn das Wissen der Patienten fehlt, so ist die Bereitschaft jedoch da, etwas für die Zähne zu tun, und somit ließen sich die Bolivianer auf unsere Behandlung ein und schenkten uns in dieser
Hinsicht viel Vertrauen. Dies zeigte sich auch darin, dass unsere Patienten motiviert wiederkamen bis wir alle Baustellen beseitigt hatten;). Dies kostete die bolivianischen Patienten einiges an Zeit und Geduld, da es hier keine festen Termine gibt, jedoch ein hoher Bedarf da ist, sodass öfters mal mit einer Warteschlange zu rechnen war, die nur langsam kürzer wurde. Somit mussten die Patienten manchmal längere Wartezeiten auf sich nehmen um in den Genuss der Behandlung zu kommen;), was sich jedoch lohnte, wie sie uns im Nachhinein berichteten.
So lief alles in allem gut..abgesehen von einigen technischen Tücken die uns manchmal an der Arbeit hinderten und wo auch wir mit unseren "technischen Fähigkeiten" nicht mehr weiter wussten. Hier heißt es: " mucho paciencia", wie Diego, ein bolivianischer Zahnarzt, so schön sagt. Und tatsächlich hilft das manchmal wirklich: einmal stellte sich der Stuhl von allein wieder an;). Und zur Not gibt es noch Ronald, der das dann in die Hände nimmt. Somit kann euch im Prinzip nichts passieren. Ihr seid gut betreut hier, sei es, wenn ihr Fragen zur Arbeit oder organisatorische Fragen habt (hier könnt ihr euch an Ronald oder Ekkehard wenden), wenn ihr Fragen habt, was das leibliche Wohl angeht oder
sonstige Anliegen vor Ort (Adela nimmt sich immer Zeit für euch) oder wenn ihr einen Begleiter für den hundereichen Weg braucht (Adella´s Söhne helfen gerne). Somit entsteht über die ganzen Wochen eine heimische Atmosphäre, und es geht schneller wieder zurück nach Deutschland als man denkt. Auch, wenn das eine Arbeit als Voluntario ist, so ist man dennoch reicher geworden, und zwar
an vielen wertvollen Erfahrungen und schönen Momenten. Nach dieser Zeit freuen wir uns umso mehr auf den Berufseinstieg zuhause in Deutschland.

Patricia und Laura
 
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