Beckmann, Pablo - FCSM-WEB-Seite

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Beckmann, Pablo

Erfahrungsberichte > Archiv
Bolivia movil  3.3. - 1.4.2017
Warum FCSM?
Wir, zwei Studenten aus Jena standen zu Beginn des Auslandsabenteuers vor der Qual der Wahl: Welches Land? Welche Organisation? Nach dem Austausch mit mehreren Organisationen, entschlossen wir uns für ein Praktikum beim „ FCSM – Förderkreis Clinica Santa Maria e.V.“ in Bolivien unter der Leitung von Ekkehard Schlichtenhorst, von dem wir stets im Mailaustausch schnelle und konkrete Antworten erhielten.
Der Anfang
Ein Dreivierteljahr später startete unsere Reise in Frankfurt, von wo es mit dem Flieger über Madrid nach Santa Cruz ging.
Der Anschlussflug hatte nur 5 Stunden Verspätung und so trafen wir frohen Mutes unsere Vorgesetzte und Zahnärztin Victoria und Ekkehard vom FCSM am Flughafen in Sucre, mit denen wir uns auf Anhieb verstanden.
Tipp: Die Inlandsflüge mit BoA konnten wir erst ab 2 Wochen vor der Reise online buchen; eine benötigte Last-Minute-Umbuchung funktionierte ganz unbürokratisch am Schalter für 10 Euro pro Nase.
Mit Jetlag ging es zwischen atemberaubenden Bergen und dann durch eine belebte Stadt weiter bis ins Hostel.
Unser Depot kann sich sehen lassen. Außer einem Röntgengerät hat man alles, was man so braucht: Zwei mobile Einheiten, Ultraschall, Absaugungen, Raypex, zahlreiche Komposite, Steri, Endo-Utensilien und ein umfangreiches Instrumentarium.
Zudem haben wir beide eine großzügige Spende an Kinderzahnbürsten aus Deutschland importiert.
Das Depot liegt im HI, einem ausgedientem Hostel mit vielen Freiwilligen unter der Schirmherrschaft Don Arturos. Ein Knotenpunkt, um sich gute Tipps geben zu lassen und um mal selber zu kochen, wenn man nicht ausgehen möchte.
Die ersten zwei Tage hat uns Ekkehard die wichtigsten Orte der Stadt gezeigt, uns zu diversen Leckerbissen in seinen Lieblingslokalen eingeladen und nebenbei, wie ein Wirbelwind, unzählige Dinge für die Projekte organisiert.
Unsere Angst vor Höhenkrankheit hat sich übrigens als unbegründet erwiesen (sind ja „nur“ 2.800 m).

Unidad Educativa Gualberto Paredes
Zu unserem Einsatzort der ersten zwei Wochen, einer Schule außerhalb Sucres, sind wir täglich mit dem Mikro (einem Kleinbus, der Dich für 1,50 Bolivianos zu allen Orten im Umkreis fährt) gependelt.    
Nach einer liebenswerten Begrüßung während der Vollversammlung, samt Willkommensplakaten, einer Rede, Fähnchen und allen Strophen der bolivianischen Nationalhymne, widmeten wir uns unseren ersten Patienten.
Victoria behandelte jeweils abwechselnd mit einer Assistenz, während der andere Student Zähne professionell reinigte. Zu den meisten Behandlungen gehörten Füllungen und erweiterte Fissurenversiegelungen. Bei oft desaströsen Situationen hätte man unendlich mehr tun können, aber wir haben uns angesichts der großen Zahl von 1000 Schülern recht schnell für diese effektivste und auch nachhaltigste Variante entschieden.
Da die Limpieza oft schneller ging als die Behandlung konnte sich einer von uns zweien in der Zeit noch weitere Prophylaxemaßnahmen ausdenken:
Jeder Patient erhielt eine Zahnbürste mit persönlicher Gebrauchsinstruktion und musste versprechen, sie auch zu benutzen. Wir haben ein supercooles Zahnputzplakat entworfen und außerdem gab es Frage-Antwort-Gruppenprophylaxe in jeder Klasse.
 
Seid also kreativ! Schlechtes Spanisch ist absolut keine Ausrede!
 
Bewundernswert war der Schulleiter, der es geschafft hat, dass sich zum letzten Einsatztag wirklich jeder Schüler eine Zahnbürste und Zahnpasta besorgt hatte, sodass wir nochmal mit jeder Klasse das Zähneputzen am Brunnen trainieren konnten.  
 
 
Interessant: Die Wundheilung der bolivianischen Kinder verläuft ca. doppelt so schnell wie die der Deutschen; selbst Kinder sind fast schmerzfrei; sie wollen behandelt werden („Kannst du mir einen Zahn ziehen?“) und sind sehr lernbereit
 
Unsere Behandlungszeit belief sich von 8:30-13h und von 14-17:30h. Mittags aßen wir im Mercado Evo Morales, wo uns "unsere" Köchin jeden Wunsch erfüllte.
 
 

Nach Feierabend in Sucre
 
Sucre ist eine belebte Stadt mit viel zu entdecken, hier unsere Tipps neben den Attraktionen:
 
- Kaffee oder cerveza black am Mirador mit Ausblick über ganz Sucre
 
- Auf den Hexenberg klettern
 
- Unbedingt auf den mercados alle Früchte und jedes Essen probieren; Wir haben uns nie den Magen verdorben; Hier kann man sich auch eindecken mit Musik, Koka, selbstgedrehten Zigaretten für umgerechnet 15 Cent die Schachtel und Fußballtrikots
 
- Den Dinosaurier-Spielplatz besuchen
 
- Essen im Condor, Florin oder an der Americana entlang
 
- Donnerstags Salsa lernen im Joy Ride
 
- Live Musik lauschen im La Quimba, BiblioCafé (beste Band La Quimera spielt 3x pro Woche)
 
- Tanzen gehen im Irish Pub, Shisha Bar oder Mythos
 
- Karaoke zusammen mit Edwin (er kennt die Lokale, bei denen es auch englische Songs gibt)
 
Die Stadt ist sehr sicher. Wir wurden nie ausgeraubt, obwohl wir auch tief in der Nacht zu Fuß unterwegs waren. Etwas gewöhnungsbedürftig sind Hundebanden auf der Straße.
 
                                                                                             
 
Internado Pitantorilla
 
Unser Einsatz für die restlichen zwei Wochen fing schon gut an, als wir 1 km vor dem Ziel unserer sehr holprigen Fahrt im Schlamm stecken blieben. Immerhin waren wir im Paradies gelandet, einer Oase zwischen den Bergen, einer alten Villa mit Obstgarten und Badestelle.
 
Interessant: Die Hacienda Pitantorilla gehörte einst Jose Marinao Serrano, der die Unabhängigkeit Boliviens deklarierte und später bolivianischer Präsident wurde.
 
Die Unterbringung war sehr gut. Die Köchin Josefina hat sich sehr viel Mühe gegeben für zwei von uns einigermaßen vegetarische Menüs zu zaubern. Profe Omar hat einen sehr guten Weg zwischen Gelassenheit und moralischen Ansprachen im Umgang mit den Schülern gefunden. Ein sehr netter, hilfsbereiter Mensch.
 
Das Behandeln gestaltete sich hier ähnlich wie zuvor. Neben den 37 Internatsschülern, die wir alle behandelt haben, kamen noch einige Dorfbewohner aus dem Umkreis. Hier haben wir einige Zähne gezogen und auch eine Endo gemacht.
Obwohl in Pitantorilla absolut nichts los ist, konnten wir uns die Freizeit sehr gut vertreiben. Wir waren Baden in einem nahegelegenen Flussbett, haben den Hausberg bestiegen (auch für Handyempfang), sammelten Avocados, haben Sterne beobachtet, sind nachts gewandert, hatten ein Gitarrenabend, spielten mit den Kindern Fußball, haben Karten gespielt oder auch mal einfach einen Film geschaut.
Einmal haben wir während einer 7-stündigen Klettertour den weit und breit größten Berg El Obispo bestiegen. Dazu durften wir einen Schüler namens Jose Luís als Guide mitnehmen. Es war sehr anstrengend, recht gefährlich, aber es hat sich gelohnt. Bei der Rückkehr waren wir Helden in der Schule.
Tipp: Der Obispo ist nur was für gute Kletterer und man sollte gut zusammenarbeiten.
Besonderen Erfolg hatte unsere selbst organisierte Schülerdisko (20:30h bis 21:30h), die ziemlich eskaliert ist. Am Ende wurden wir alle nacheinander von der Schülermeute gefangen genommen und wurden dann mehrere Male in die Luft geschleudert.
Außerdem führten wir das gemeinsame Zähneputzen ein. Wir hatten das Glück, dass eine supernette Freiwillige namens Olivia für die nächsten 6 Monate im Internat stationiert ist. Sie ist uns nicht nur eine gute Freundin geworden, sondern wird das Zahnputzritual weiterführen bis die nächsten deutschen Zahnmediziner im Oktober übernehmen.     
Tipp: Der Dorfladen verkauft nur Cola, Chips und Süßigkeiten, also deckt euch in Sucre ein.
Was tun an den Wochenenden?
An den Wochenenden hatten wir Zeit für längere Touren, um Orte außerhalb von Sucre kennenzulernen.
Wir haben einen Bade- und Kletterausflug zu den 7 Casacadas gemacht, Saurierspuren im Dinosaurierpark bestaunt und sind über ein Wochenende nach Potosí gefahren, der Stadt aus Silber.
Außerdem sind wir gleich zweimal auf einem Volksfest in Tarabuco gewesen (2h von Sucre entfernt). Hier wurde in traditionellen Trachten nonstop getanzt und musiziert. Auf einem haushohen Altar wurden der Pachamama verschiedene Opfergaben dargeboten: Schinken, Cola, Brot usw. Wie auf deutschen Volksfesten auch wurde zudem viel getrunken. Der Trunk Chicha wird aus Mais hergestellt, der traditionell von Frauen zerkaut, ausgespuckt und dann vergoren wird.  Schmeckt gut. Die Bolivianer lieben es Gringos (=Ausländer) auf Chicha einzuladen -  und wer eingeladen wird, sollte nicht ablehnen.
Während der Rückreise haben wir noch in Santa Cruz Halt gemacht, einer modernen, kosmopolitischen Stadt mit tropischen Klima, bevor es dann schweren Herzens, aber äußerst zufrieden über die Zeit in Bolivien, zurück nach Deutschland ging.
Wir haben trotz unserer begrenzten Zeit zum Reisen (immer nur an Wochenenden) einiges zu sehen bekommen und konnten unsere Abenteuerlust in jeder Hinsicht sättigen.
Trotzdem würden wir jedem empfehlen, sich mindestens eine Woche im Anschluss an das Praktikum Urlaub zu nehmen, um die Salzwüsten, Lagunen und vielleicht eine weiter entfernte Stadt kennenzulernen.
Wir beide werden auf jeden Fall wieder nach Bolivien reisen, um diese Erfahrungen nachzuholen.
Traut euch!
Egal in welchem Land oder mit welcher Organisation – eine Famulatur im Ausland wird euch unheimlich viele Dinge lehren, fachlich und vor allem zwischenmenschlich.
Während unseres Aufenthalts haben sich alle anfänglichen Ängste (Höhenkrankheit, Lebensmittelvergiftung, sprachliche Barrieren, Taschendiebe) als unbegründet erwiesen.
Die vier Wochen bleiben unvergesslich für uns alle. Die Bolivianer sind sehr liebenswerte Menschen in einem wunderschönen Land.
Wir verbleiben mit den besten Grüßen und wünschen Euch viel Spaß!
Großen Dank richten wir abschließend an Ekkehard und Victoria!

Florian und Pablo
 
Suchen
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü