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Rehberger, Vera

Erfahrungsberichte > Archiv
Huancarani Februar-März 2015
Bevor ich mit dem eigentlichen Projekt in Huancarani begann, verbrachte ich eine Woche in Cochabamba mit Sprachunterricht in der “Escuela Runawasi”, was mir die Verstaendigung mit den Patienten spaeter um einiges erleichtern sollte. Dies kann ich wirklich jedem empfehlen, der noch etwas sein Spanisch auffrischen moechte!
Als ich dann nach einer Woche mit Sack und Pack (darunter einiges an zahnaerztlichem Material) von Ronald Patzi nach Huancarani gebracht wurde, war ich wirklich sehr positiv ueberrascht von der Freiwilligen-Unterkunft, in der ich die naechsten sieben Wochen verbringen durfte: neben zwei schoenen Schlafzimmern stand mir und meiner Kollegin ein gemuetlicher Wohnraum mit Kueche, Esstisch, Sofa und Fernseher (inklusive DVD-Sammlung!) zur Verfuegung – perfekt, um die Arbeitstage gemeinsam ausklingen zu lassen.

Die Arbeit in der gut ausgestatteten Praxis des Projektes war vor allem fuer mich eine wertvolle Erfahrung, da ich zu diesem Moment gerade erst frisch aus der Uni kam. Bei den Behandlungen in Huancarani handelt es sich vorwiegend um Fuellungen, Extraktionen, einfache Wurzelkanalbehandlungen und Zahnreinigungen. Auch hier in Bolivien zeigten die Patienten einen sehr unterschiedlichen Zahnzustand: Waehrend der eine Patient lediglich eine erweiterte Fissurenversiegelung benoetigte, musste man bei dem naechsten Patienten leider gleich mehrmals zur Zange greifen. Vor allem die Kinder kommen zum groessten Teil mit stark zerstoerten Milchzaehnen in die Praxis. Wenn man sie mittags aus der Schule kommen sieht, wundert einen das kaum: die meisten laufen sofort zu dem naechstgelegenen Laden, um sich mit Suessigkeiten einzudecken, die es im Dorf massenhaft und guenstig zu kaufen gibt. Nur bei den wenigsten Eltern existiert ein Bewusstsein fuer Zahngesundheit, was man an der Ernaehrung der Kinder - und der Erwachsenen selbst  - bemerkt und daran, dass die Eltern ihren Kleinkindern nur fluechtig oder ueberhaupt nicht die Zaehne putzen oder diese Angelegenheit komplett den Kindern ueberlassen. Ein wenig anschauliche Mundhygieneinstruktion ist also auch hier in Huancarani sehr hilfreich. In der Praxis steht dafuer sogar ein grosses Zahnputzmodell zur Verfuegung. Was ich bei der Arbeit in der Praxis immer als sehr angenehm empfand, war die Freundlichkeit und die unglaubliche Geduld der Patienten!

Direkt neben Freiwilligen-Wohnung und Praxis lebt Doña Adela mit ihrer Familie – eine stets freundliche Bolivianerin, die uns jeden MIttag mit selbstgekochten und typisch bolivianischen Gerichten versorgt hat. Selbst als Vegetarier bekommt man immer einen vollen Teller bei Adela! Wenn man moechte auch abends. Ansonsten bekommt man in den kleinen Laeden im Dorf alle Grundnahrungsmittel, die man zum Ueberleben braucht, und darueber hinaus sogar Bier und Knabbereien. Um frisches Gemuese zu kaufen sind wir regelmaessig mit dem Kleinbus zu einem der Nachbarorte gefahren.

Die Wochenenden haben wir meist fuer kleinere Ausfluege genutzt, z. B. nach La Paz oder in die tropische und landschaftlich reizvolle Provinz Chapare. Ausserdem gab es kleinere, aber schoene Ausflugsmoeglichkeiten in der Naehe von Huancarani, wie z. B. ein Besuch im Freibad (in Sipe Sipe), ein Einkaufsbummel ueber den sehenswerten Sonntagsmarkt (in Quillacollo) oder eine Wanderung auf den Cerro Tunari, der mit knapp ueber 5000 Metern der hoechste Berg in der Umgebung von Huancarani ist.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich im Rahmen des Projektes eine wunderbare Zeit in Bolivien verbracht habe. Das liegt wohl vor allem an den Bolivianern mit ihrer angenehmen Gelassenheit und an der reizenden Natur Boliviens, aber sicher auch daran, dass man mal sein gewohntes Umfeld verlaesst und sich in ein kleines Abenteuer begibt. Wer gerne neue Erfahrungen sammeln moechte und es liebt, die Eigenheiten eines komplett fremden Landes auf sich wirken zu lassen, der ist bei einem solchen Projekt genau richtig!
Vera Rehberger
Falls ihr Fragen habt, koennt ihr mich gerne kontaktieren: rehberge@students.uni-marburg.de







                                                 Doña Adela, der gute Geist der PIRWA
 
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