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Huancarani 03. - 13. April 2017

Frisch von Bolivia movil in und um Sucre herum kommend, verbrachte ich Anfang April 2 Wochen in Huancarani. Ich wurde von Ekkehard im Nachtbus nach Cochabamba (bequemer als man denkt) begleitet und kam an einem Sonntagmorgen in Huancarani an. Der Start vor Ort wurde mir nach der Nacht im Bus versüßt durch ein frisch gemachtes Bett und ein leckeres Frühstück, das Rebecca, die zu der Zeit in Huancarani arbeitende Zahntechnikerin, liebevoll vorbereitet hatte. Ich fühlte mich von Beginn an wohl, Ekkehard und Rebecca zeigten mir während eines Spaziergangs ein paar nette Ecken des Dorfs und am Abend fuhren Rebecca und ich mit dem Trufi nach Quillacollo (ca. 20 Minuten Fahrt) und kauften auf dem Markt frische Früchte für das Frühstück der kommenden Woche (sehr zu empfehlen, besonders die Papayas sind ein Traum!). Am Abend stieß noch die Dritte im Bunde, Carolin, zu uns, die ein halbes Jahr in Huancarani verbringen wird. Wir kochten in der WG zusammen und testeten einige mehr oder weniger bekannte Spezialitäten vom Markt, was sich als uneingeschränkt empfehlenswert herausstellte.

Am nächsten Morgen zeigte uns Ekkehard das Consultorio, das sehr hochwertig und vollständig bestückt ist und erklärte uns alle Einzelheiten. Dazu muss ich sagen, dass ich wie oben erwähnt in den vorherigen 4 Wochen eine mobile Einheit gewöhnt war, wohingegen die Ausstattung des Consultorios nahezu als luxuriös bezeichnet werden kann. Ich fand ein Röntgengerät, ein komplettes Endoset inklusive Gerät für elektronische Längenmessung, eine bis auf ein paar Macken gut funktionierende Einheit und sogar ein Patientendokumentationssystem vor. Auch Kasacks und Schuhe sind vorhanden.
Die Patienten kommen mehr oder weniger zahlreich, ich konnte leider in den 2 Wochen kein Muster ihres Erscheinens erkennen. Mal gab es keinen einzigen Patienten an einem ganzen Vormittag, mal, gerade gegen Abend, haben ganze Großfamilien auf eine Behandlung gewartet. Da Rebecca schon 6 Tage nach meiner Ankunft abgereist ist, konnte ich aus Zeitgründen keine zahntechnischen Arbeiten (generell geht es hierbei um Interimsprothesen) neu beginnen, sondern habe viele Prothesen eingegliedert, die noch fertiggestellt wurden.
Die Patienten sind generell für jeden Zahnersatz dankbar und tolerant, was die Ästhetik angeht, wie ich festgestellt habe. Mit einer klammerbefestigten Prothese lässt sich nunmal nicht immer das schönste Lächeln (wieder-)herstellen. Trotzdem sind die Bedingungen und Materialien im Labor auch bemerkenswert gut, ich war zusammen mit Katharina, der Zahnärztin, die mich abgelöst hat und am Ende meiner ersten Woche ankam, zusammen auch einige Male im Labor tätig, als sich die Arbeiten dort stapelten.
Nach Katharina´s Ankunft konnten wir uns bei den Behandlungen abwechseln und uns gegenseitig assistieren, was die Arbeitsabläufe sehr fließend gemacht hat und ich hatte genug Zeit, alles Wissenswerte über das Consultorio an sie weiterzugeben. Wir konnten viele Füllungen legen, einige Endos durchführen und mussten leider auch viele Zähne extrahieren. Besonders im Kopf geblieben ist mir eine 50 jährige Patientin, die nur Quechua sprach und seit mindestens 10 Jahren nicht mehr bei einem Zahnarzt war. Wir mussten ihr 12 Zähne ziehen.
Außerhalb der Praxisöffnungszeiten haben wir uns die Zeit gut vertrieben. Es gab täglich nach dem Frühsport ein leckeres Frühstück in der WG, in der Mittagspause hat uns Doña Adela, die mit ihrer Familie im selben Haus lebt, verköstigt (sie geht auch gerne und gut auf vegetarische Vorlieben ein) und am Abend (nach Praxisschließung, Sterilisieren und Co. war es leider immer schon dunkel) aßen wir wieder mit Adela und ihrer Familie und gönnten uns ab und an ein Cerveza aus dem Kiosk Doña Petris.
An den Wochenenden haben wir uns Cochabamba und Villa Tunari angesehen.
Cochabamba ist eine wilde und quirlige Stadt, um die man ja sowieso kaum herumkommt:) Wir haben die Christusstatue besichtigt, waren auf einem Markt und in einem netten Café.
Villa Tunari, 4 Stunden mit dem Bus entfernt, ist ein kleiner Ort in herrlicher Umgebung (Amazonasgebiet) und ein Ausflug dahin lohnt sich.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich die Arbeit in Huancarani als beruflich und zwischenmenschlich sehr bereichernd empfunden habe. Man erfährt viel Dankbarkeit von den Einheimischen und selbst von Personen, die kein Spanisch sprechen, wird einem überraschend viel Vertrauen entgegengebracht. Die Arbeit im Consultorio ist wie beschrieben sehr angenehm und komfortabel und das Leben in Huancarani zwar sehr ruhig und wenig aufregend, aber deshalb gerade entspannend und für unternehmungslustige Voluntarios überzeugen diesbezüglich definitiv die Lage und die vielen möglichen Ausflugsziele.
Victoria Schölzel
 
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