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Flohr, Anselm

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Bolivia movil / CBBA 22. August – 23. September 2016
Schon seit den ersten Kliniksemestern habe ich mich für eine Auslandsfamulatur interessiert und hatte durch Freunde aus höheren Semestern schon eine gewisse Vorstellung, was mich erwartet. Natürlich lernt man auch in der Uni so das eine oder andere, aber es fehlte mir einfach eine Arbeitsroutine, die ich mit dem geringen Patientenaufkommen im Studentenkurs nicht erlangt habe. Hinzu kam, dass ich gerne nach Bolivien wollte und gerne in ein eher nicht etabliertes Projekt, mit etwas Abenteuer-Charakter, mit dem man das Land sieht, und bei dem noch nicht alles 100%fix abläuft. Und ich wollte gerne wieder etwas Spanisch sprechen. Sobald ich also von Bolivia movil gehört hatte, war für mich klar, dass es genau das richtige Projekt ist.
Meine Vorbereitung hielt sich eher in Grenzen, da ich schon einmal für längere Zeit in Südamerika war und ungefähr wusste, was auf mich zukommt. So habe ich mich im Winter bei Ekkehard gemeldet und glücklicher Weise einen Platz bekommen. Meinen Flug für Mitte August habe ich im Juni per Google-Flights gebucht und mit unter 1000 € wohl eher einen der günstigsten Flüge bekommen (was ich so von den anderen gehört habe. Also durchaus empfehlenswert.) Los ging es von Frankfurt mit LATAM nach Sao Paulo(dann 5h warten…),  von dort mit GOL weiter nach Santa Cruz Viru Viru (es gibt 2 Flughäfen), und einen 3. Flug nach Cochabamba habe ich davon unabhängig bei BOA direkt auf der Homepage gebucht (3h Umsteigezeit haben bei mir locker gereicht). Eine VISA Karte hatte ich bereits und konnte durch die Konditionen meiner Bank (Comdirekt) bei einigen Automaten umsonst abheben (z.B. Mercantil Santa Cruz). Nun das war es auch schon mit Vorbereitung, allerdings hätte ich zwei Dinge doch besser beachtet:
1.: Der Studentenzuschuss vom DAAD muss rechtzeitig beantragt werden. Ich hatte es erst 2 Monate im Voraus versucht und nichts mehr bekommen. (sind glaube 700€)
2.: Im Projekt Bolivia Movil gibt es keine Zahnärztliche Beleuchtung und man war auf eine Stirnlampe angewiesen, die ich nicht dabeihatte. Zum Glück hat ein anderer Student seine Lampe dagelassen. Es war eine 10 Watt LED Lampe (Kreyolights oder so) die ich nur weiterempfehlen kann, da man mit den typischen Stirnlampen (z.B. von Mamut etc) längst nicht so viel sieht.
In Cochabamba wurde ich von Ekkehard am Flughafen abgeholt und wir sind direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Huancarani gefahren. Öffentliche Verkehrsmittel sind Micros (Busse) und TRUFIS (kleine weiße Toyota Minivans, in die so viele Sitze reingeschraubt werden, wie nur irgend möglich). Nach 1 h, 2-mal Umsteigen und mit 4 Bolivianos Fahrtgeld sind wir dann schließlich an unserer Haltestelle angekommen. Das Consultorio liegt 10 min zu Fuß in der Población Huancarani. Ich habe direkt ein sehr schönes Zimmer bekommen und war überaus überrascht, wie luxuriös und ordentlich alles ist. Vor Ort habe ich dann die anderen Voluntarios kennen gelernt, die bereits schon eine Woche dort waren. Das war natürlich recht praktisch für mich, da ich gleich mit den wichtigsten Infos versorgt wurde: z.B., dass es kein Wifi gäbe, aber man mit Entel fast überall Empfang hat. Und wie sich rausstellte hat 1 gb Internet im Monat nur 7 € gekostet, sodass ich bequem via Whatsapp mit zu Hause telefonieren konnte, Bilder verschicken und Emails checken konnte. Und tatsächlich hatte ich eigentlich immer Empfang (in Ovejeria allerdings nur spärlich).
Mein Arbeitseinsatz hat sich zu meiner Freude auf drei verschiedene Orte verteilt und somit jede Menge Abwechslung bereitgehalten. Die erste Woche habe ich in Huancarani im Consultorio mit Viki, einer sehr netten, kompetenten, jungen Kieferchirurgin, gearbeitet und so direkt einen sehr guten Einblick in die alltägliche Chirurgie bekommen (Zähne ziehen sind dank Top Anleitung und Erklärung also kein Problem mehr ;). Das Consultorio bietet eigentlich alles, was man so braucht und ich war über den hohen Standard sehr überrascht. Alles in allem eine super erste Woche mit vielen spannenden Eindrücken. Einziges kleines Manko war, dass es auch Zeiten gab, in den kein Einziger Patient kam.
In der zweiten Woche habe ich dann mit dem Projekt Bolivia movil in Arque, einem sehr schönen, kleinen Anden-Städtchen angefangen. Dort waren wir zu dritt: Julia, unsere super Kons-Zahnärztin, Iris, die gerade Examen gemacht hat (ebenfalls super;) und ich. Ab der dritten Woche ging es dann nach Ovejeria, ein Anden-Dorf auf geschätzt 3300 m. Die Busfahrt nach Arque war dann schon das erste Abendteuer. Es ging morgens um 5 los und der Bus war vollgepackt mit Leuten und Frachtgut, die Straßen ab einem bestimmten Punkt voll von Schlaglöchern und irgendwann gab es keine Straße mehr, sondern wir sind über eine Schottersteinpiste durch ein Flussbett gefahren, da das der einzige Weg war. Ich würde nicht sagen, dass die Busfahrten das schönste Erlebnis der Reise waren, aber auf jeden Fall erzählenswerte Erlebnisse, die man so noch nicht erfahren hatte.
Das Behandeln in dem Projekt hat mir sehr gut gefallen, die Arbeitsatmosphäre war sehr professionell, ruhig aber auch lustig und dadurch, dass wir eine ganze Schule zu behandeln hatten, gab es auch immer etwas zu tun. Julia, und in Ovejeria dann Laura, konnten mir beide viel beibringen, so dass ich sehr von der Zusammenarbeit profitieren konnte. Also noch nochmal herzlichen Dank an Euch!
Die Arbeit konzentrierte sich sehr auf Fissuren Versiegelungen und Okklusalfüllungen, aber davon haufenweise. Die eine oder andere Frontzahnfüllung oder mod gab es natürlich auch und geext wurde ziemlich viel. Aber ich war positiv überrascht, wie viele mehr  gefüllt wurde. Ich denke nicht, dass die Kinder jemals schon einen Zahnarzt gesehen hatten ;) Von daher ist der Einsatz dort als sehr sinnvoll anzusehen und sollte regelmäßig stattfinden.
Wer Interesse an solch einer Arbeit hat sollte sich nicht aufhalten lassen, denn hier kann wirklich jeder etwas mitnehmen (und auch geben), trotzdem sind ein paar Grundvoraussetzungen zu erfüllen. Etwas spanisch ist klar (aber selbst, wenn ihr nur ein paar Sätze könnt, passt das schon) und Ihr solltet nett, offen und etwas abenteuerlustig sein. Ihr solltet eine gewisse Stressresistenz und Flexibilität mitbringen (mal gibt’s kein Wasser, mal schreien Kinder und wollen nicht, mal sitzt Ihr zusammengepfercht in einem Bus mit 100 Bolivianern). Und ihr solltet Euch bewusst sein, dass Bolivien eines der ärmsten Länder Südamerikas ist und dass manche Dinge eben anders sind.
Nun, ich habe die Zeit sehr genossen, viel gelernt und viel gearbeitet. Die Menschen dort sind sehr freundlich und die Gastfamilie, die in Huancarani für uns kocht ist äußerst offen und nett. In diesem Sinne kann ich mich nur beim FCSM und bei Ekkehard bedanken und es jedem weiterempfehlen.
Anselm
 
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