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Martens, Carolin

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Huancarani, 01. April bis 27. September 2017
„Die Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“  Ernst Ferstl

Acht Monate in Bolivien
Meine Entscheidung für sechs Monate nach Bolivien zu gehen, fiel bereits 1 ½ Jahre vorher. Auf den Förderkreis Clinica Santa Maria e. V. (FCSM) bin ich durch ein Gespräch mit meiner Zahnärztin aufmerksam geworden, die bereits selber als Volontärin im Projekt „Guadalupe“ im Einsatz war. Nach einer Initiativbewerbung und Telefonaten mit Ekkehard wurde mir die Option eingeräumt, im Projekt „Huancarani“ als Assistenz zu arbeiten. Hierbei muss ich erwähnen, dass ich keine gelernte Zahnarzthelferin oder Zahnärztin bin und selber, bis dato, nur als Patientin im Behandlungsraum saß. Also mir ist weder die linke oder gar die rechte Seite eines Zahnarztstuhles bekannt gewesen. Mein Name ist Carolin Martens, ich bin 28 Jahre alt, wohne in Magdeburg und hinter mir liegt ein erfolgreich abgeschlossenes Studium zur „Gesundheitsförderung- und management“ sowie Berufserfahrung als Bürokauffrau in internationalen Unternehmen. Warum ich mich dafür entschieden habe, nach Südamerika zu gehen und als Volontärin zu arbeiten? Ich möchte helfen, mein Studieninhalte breiter anwenden und direkt vor Ort in Auseinandersetzung mit Land, Leute und Kultur treten. Ich habe mich darauf gefreut, neue Herausforderungen anzunehmen, meine Abenteuerlust auszuleben, der gewohnten Umgebung für eine gewissen Zeitraum zu entfliehen und mich in einem fremden Land (hoffentlich) genauso wohlzufühlen wie zu Hause.
 
Meine Reise beginnt
Nach langer Planung, rührender Verabschiedung von Freunden sowie der Familie und dem letzten Tanzabend in Magdeburg, ging für mich am 01.04.17 die Reise los. Auf ins Unbekannte und das letztendlich für mehr als die geplanten sechs Monate.
Meine Ankunft war mehr als holprig. Unabhängig wie gut die Planung im Vorfeld erfolgt, auf Reisen kann alles passieren und dazu hier ein kurzer Abriss.
Am 02.04.17 habe ich nach langem Aufenthalt in Madrid, einem Landeverbot in Santa Cruz aufgrund eines vorbeiziehenden Sturmes und dem daraus resultierenden Zwischenstopp in Paraguay meinen Anschlussflug in Santa Cruz verpasst. Zur Info, meine Flugbuchung erfolgte bei drei unterschiedlichen Airlines, somit wollte sich anfangs keine Airline für die Übernahme eines Anschlussfluges bereit erklären. Durch resolutes Auftreten meinerseits und mithilfe der englischsprachigen Angestellten vom Flughafen konnte ich schlussendlich mit fünf Stunden Wartezeit in Santa Cruz einen Flug nach Cochabamba ergattern. Als Höhepunkt dieses Auf und Abs meiner Gefühlswelt kam natürlich noch hinzu, dass ich mein Handy, in der Hektik und den viel zu vielen Sachen in meinen Händen, verlegte. Nach 20 Minuten des Suchens, Schwitzens und der kurz ansteigenden Panik in meinen Kopf hatte sich meiner Körper mit der sickernden und dumpfen Erkenntnis „Du hast dein Handy verloren“ zufrieden gegeben. Familie und Freunden teilte ich natürlich später mit, dass es mir geklaut wurde. Klingt erst einmal besser und schließlich bleiben einem die Sprüche der Besserwisser erspart. Jedoch musste ich Ekkehard irgendwie informieren, was passiert ist und wie mein weiterer Zeitplan aussieht. Zu allem Überfluss war in Cochabamba „Día del peatón y la bicicleta“ (Tag der Fußgänger und Radfahrer), d. h. acht Stunden ein klares Fahrverbot für alle motorisierten Fahrzeuge. Dieser Tag findet dreimal im Jahr, und zwar immer am ersten Sonntag folgender Monate April, September und Dezember, in ganz Bolivien statt. Die Bevölkerung kann dadurch ungehindert ihren Bewegungsdrang ausleben. Ekkehard hatte sich mit viel Mühe und Geduld den Weg zum Flughafen in Cochabamba gebahnt.  Mehrere internationale Flüge abgewartet, ohne mich in Empfang nehmen zu dürfen. Ich hab mich in der Zeit um die Problematik dieser Informationslücke gekümmert. Durch meine eindeutige „Bodylanguage“ und einer hoch empathischen Señora, durfte ich von Ihrem Handy eine E-Mail schreiben. Somit konnte ich Ekkehard meine derzeitige Situation schildern und ihm dadurch meine neue Ankunftszeit mitteilen. Mit der aufkeimenden Hoffnung, dass mich in Cochabamba jemand in Empfang nehmen wird, ging ich meiner letzten Reiseetappe entgegen. Zur weiteren Information, weder google.maps, noch die lokalen Taxifahrer können mit der Ortsbezeichnung „Huancarani“ etwas anfangen.
Janine und Joaquin Hinojosa haben mich im Auftrag von Ekkehard schlussendlich vom Flughafen abgeholt. Sie sind Fördermitglieder der Fundacion „Khuska Wiñana“ Creciendo Juntos – Centro Cultural „Rosenfelder“ in Huancarani, die sich um die Nachmittagsbetreuung der ansässigen Kinder kümmert. Weiterhin besitzen sie eine Sprachschule, „Runawasi“ (Quechua: Haus der Begegnung) in Cochabamba und sind langjährige Freunde vom FCSM. Einen herzlicheren Empfang hätte ich mir nicht wünschen können. In meiner weiteren Zeit in Bolivien ist mir die gesamte Familie Hinojosa sehr vertraut geworden. Vor allem Janine und Joaquin haben mir ein Gefühl von Zugehörigkeit gegeben.
 
12 Stunden später als geplant konnte ich am Sonntag dem 02.04.2017 meine Koffer in Huancarani ablegen. Ekkehard empfing mich mit offenen Armen und zeigte mir mit Tatendrang das Consultorio, welches für sechs Monate mein neuer Arbeitsplatz sein sollte. Nach einer kurzen Einweisung seinerseits  hatten Victoria (Zahnärztin) und Rebecca (Zahntechnikerin) das Abendessen vorbereitet. Ekkehard spendierte den Rotwein und so begann meine Zeit hier. Es erwarteten mich interessante und lustige Gespräche, immer wechselnde Zahnärzte, sowie das Warten auf oder auch die Flut an Patienten. Auch der erste verdorbene Magen, die Reisen an den Wochenenden, die Schließung des Consultorios für sechs Wochen und meine Zeit in der Sprachschule führten zu einer Einkehr von Normalität und Heimatgefühl in einem Land, welches ganz eigene Für und Wider hat. Doch wenn man offen ist, die Ich-Bezogenheit und den Drang, immer alles gleich zu verstehen, oder sofort urteilen zu müssen, über eine Kultur oder Land, welches nicht im Entferntesten mit Deutschland zu vergleichen ist, hinter sich lässt, dann kann man hier eine wunderschöne Zeit haben und glücklich sein. Ich hatte Beides und möchte diese Zeit niemals missen.
 
Nach diesem Rundumschlag von Eindrücken, möchte ich Euch mehr über mich sowie Einzelheiten über diese Zeit in Bolivien berichten:
Die ersten Wochen als Assistenz waren super aufregend, stressig und verbunden mit vielen Nachfragen. Vielen Dank an die tollen Zahnärzte, die mich in dieser ersten Zeit begleitet haben und mich mit Empathie, Ihrem Wissen und Können auffingen und mir dadurch ein Gefühl gaben, willkommen zu sein. Einen besonderen Dank an Victoria, Katha, Maja und Christoph, die mir durch ihre Art zu arbeiten und zu lehren in Erinnerung bleiben werden. Insgesamt durfte ich in meiner Zeit acht Zahnärzte, drei Zahntechniker und eine weitere Assistenz kennenlernen. Nicht alle durften in Huancarani ihren Dienst antreten, da das SEDES (Gesundheitsamt in Bolivien) das Consultorio für sechs Wochen geschlossen hatten. Die Gründe, sowie die Art und Weise im Umgang mit uns „Gringos“ (Ausländer) waren beispielshaft für die herrschende Korruption in diesem Land. Zum Glück konnte der FCSM in Zusammenarbeit mit der Gemeinde von Huancarani und Ronald Patzi, er ist Gemeindemitglied  sowie als Stellvertreter vor Ort für den FCSM tätig, das Consultorio wiederbeleben. Ich nutzte dieses offene Zeitfenster, um die Sprachschule „Runawasi“ zu besuchen. Denn mein Spanisch war mehr als ausbaufähig. Janine und Joaquin haben diese Schule vor 27 Jahren in Cochabamba gegründet und die heutige Leitung übernimmt ihre Tochter Thika. Der Ehemann von Thika ist Ronald, wie bereits erwähnt, der als direkter Ansprechpartner vor Ort für uns Volontäre tätig ist. Somit ist man hier sehr gut integriert und vernetzt, da sich dieser kleine Kreis an Personen schnell zu Vertrauten entwickeln kann. Die gesamte Familie Hinojosa versteht Deutsch; Thika, Janine und Joaquin sprechen Schweizer- und Hochdeutsch. Ihre warmherzige und offene Art tragen dazu bei, dass man sich sehr aufgenommen und geborgen fühlt. Sie waren meine Familie in Bolivien und ich bin unendlich dankbar, sie kennengelernt zu haben.
 
Haus und Hof von Huancarani
Der Kreis an Vertrauten wird natürlich durch Adela, Felipe, Wilfredo und Henry sowie ihren Haustieren ergänzt. Diese Familie wohnt auf demselben Grundstück wie wir und ist ein langjähriger Partner vom FCSM. Alle Volontäre nehmen Mittag- und Abendessen mit ihnen zusammen ein. Adela ist ein Herz, sie glänzt nicht nur mit ihren Kochkünsten, sondern sie vergießt auch beim Verabschieden von Volontären die eine oder andere Träne. Falls euch Essenwünsche auf der Seele liegen, könnt ihr diese mitteilen und sie wird versuchen, diese in die Tat umzusetzen.  Das Haus sowie das Consultorio sind in einem sehr guten Zustand, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und gehe davon aus, dass sich auch die weiteren Volontäre in dieser gut gepflegte Einrichtung wohlfühlen und diese weiterhin mit Respekt behandeln werden.
 
Arbeiten im Consultorio
Als Erstes werden euch die vielen Anleitungen, Arbeitshinweise oder Bedienungsanleitungen in der Praxis auffallen. Sie dienen der Informationsweitergabe oder als Leitfaden für die Behandlungspraxis. Dadurch soll sich niemand in seiner Arbeitsweise eingeschränkt fühlen; versucht sie wertfrei anzunehmen. Mir haben sie natürlich dabei geholfen einen Überblick zu erhalten und mir den Einstieg sehr erleichtert. Ihr werdet weitestgehend alle Materialen, Instrumente und Medikamente vorfinden, jedoch sind natürlich Abstriche im Vergleich zum deutschen Standard zu machen, z.B. hinsichtlich der Auswahl an Püschel oder Pinsel, der Bohrergeschwindigkeit, der Absaugung, des Röntgengeräts, der Größe und Dicke der Nadeln usw.. Jedoch ist es doch auch ein Abenteuer trotz dieser Umstände den Menschen helfen zu können.  Zum Schluss eures Einsatzes werdet ihr vielleicht froh sein, bald wieder mit Geräten auf hoch-technischem Niveau und eurer vertrauten Assistenz arbeiten zu dürfen;) Zeitweise erwartet euch hier eine Flut an Patienten, an anderen Tagen kommen dahingegen aber nur max. neun Patienten oder weniger.  Eine Prognose darüber, wie der Tag verlaufen wird, lässt sich morgens jedoch noch nicht treffen. Das Motto lautet „Jeden Tag auf`s Neue“ und schauen, was euch erwartet. In meiner Zeit mussten wir manchmal Patienten nach Hause schicken, weil wir keine sauberen Instrumente mehr übrig hatten, oder mussten eineinhalb Stunden vor dem Feierabend abschätzen, wie viele Patienten wir an dem Tag noch behandeln können. Unsere Antwort teilten wir den wartenden Patienten mit, damit niemand länger als unnötig warten musste. Selbstverständlich arbeitet man manchmal länger, aber das wurde nie zur Regel. Zudem kann man sich die Patienten hier auch etwas erziehen. Generell solltet ihr schauen, was ihr euch an Behandlungen zutraut. Manche Behandlungsabläufe werden vom Regelwerk des FCSM nicht gewünscht. Beispielhaft dafür ist, dass keine WK an Molaren durchgeführt werden darf. Da die Compliance der Patienten sehr schlecht ist, dadurch ist eine längere Behandlung mit regelmäßigen Besuchen hier fast nicht umsetzbar. Diese Art der Behandlungen führt oft zu Diskussionsbedarf und Unsicherheiten bei den Zahnärzten. Weiterhin müssen manche Arbeitsanweisungen aktualisiert werden, da aufgrund der Patientenflut eine Behandlung quadrantenweise nicht mehr möglich ist. Sprecht offen mit den Leuten und teilt ihnen mit, wo unsere Grenzen liegen, das ist ehrlich und fair. Viele Leute fragen nach Interimsprothesen und wenn ein Zahntechniker anreist, hat dieser immer viel zu tun. Versucht keine sogenannten „Altlasten“ anzulegen, die der aktuelle Zahntechniker nicht mehr geschafft hat und somit der Neue als Bestand erhält. Das hab ich oft genug erlebt und niemand ist damit zufrieden, weder der neue Zahntechniker noch der wartende Patient. Hier ist Kommunikation das A und O. Zudem sollte die Begegnung von Zahnarzt zu Zahntechniker auf Augenhöhe erfolgen.
 
Generell möchten die Patienten am liebsten eine Komplettsanierung am selben Tag. Auch nach einer sehr gut erfolgten Aufklärung unsererseits, wiederholen sie oft dieselbe Fragestellung, die  in den letzten zehn Minuten erörtert worden ist. Als Erklärung: Vielen ist der Besuch eines Consultorios nicht geläufig und unsere Behandlungsart fremd. Zudem tragen stetig wechselnde Zahnärzte und auch kulturelle und sprachliche Barrieren zu Verständigungsschwierigkeiten bei. Hier heißt es ruhig bleiben, tief durchatmen und es kürzer und mit anderen Worten wiederholt zu probieren. Ein kleiner Trost: Es geht uns allen so. Hier laufen die Uhren anders, alles dauert länger und somit auch die Aufklärung und Behandlungszeit. Versucht die Patienten ausreden zu lassen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Auch der zehnte Patient hat Angst und möchte uns seine Lebensgeschichte genauestens schildern. Es geht darum, den Patienten zuzuhören und vor allem zu versuchen, trotz der stetig wechselnden Zahnärzte hier einen Ort des Vertrauens zu schaffen. Bei manchen Patienten wird euch auffallen, dass diese einen Zahnarzt haben und möglicherweise Behandlungsvorgänge im Hintergrund laufen. Bei diesen ist es natürlich wichtig, Schmerzen zu beseitigen und sie nach Eurem Ermessen zu behandeln. Jedoch muss der FCSM dazu ein Regelwerk festlegen, denn meiner Meinung nach fördern wir damit Price Dumping und nehmen guten bolivianischen Zahnärzten die Patienten weg. Dadurch entsteht ein negatives Klima zu unseren bolivianischen Kollegen und ich würde mir wünschen, dass man hier eine Lösung findet. Es geht hier nicht um Konkurrenzdenken, denn aufgrund unserer Qualität an Produkten und sehr gut ausgebildeten Ärzten haben wir hier keine Konkurrenz. Die Arbeit im Consultorio war für mich zeitweise sehr anstrengend, gerade in meinen ersten Wochen. Schließlich konnte ich auf keine fundierte Ausbildung zurückgreifen, musste mir viel Unbekanntes aneignen und öfters durch Fehler lernen. Ekkehard und ich waren in ständigem Kontakt, vor allem wenn neue Volontäre ankamen und die Abholung organisiert werden oder ein kleiner Ausflug mit ihnen am Wochenende stattfinden sollte. Ich zeigte ihnen Huancarani und teilte meine bisherigen Erfahrungen mit ihnen. Man wohnt und arbeitet zusammen, was natürlich auch zu Differenzen führen kann. Wir konnten diese immer bereinigen, spätestens beim Wein oder Bier am Tagesende. Ich durfte viele unterschiedliche Charaktere kennenlernen. Als Assistenz muss man sich manchmal mehr und manchmal weniger auf einen Zahnarzt einstellen. Das wird von einem verlangt und so ist dieses Rollenbild zu verstehen. Das kann ich nach sechsmonatiger Erfahrung wiedergeben. Die Zeit in Huancarani als Arzthelferin war für mich sehr intensiv, lehrreich und hat mir gezeigt, wie wichtig Kommunikation und Empathie sind.
Das sind meine wichtigsten Eindrücke, die Euch einen ersten Eindruck verschaffen sollen. Natürlich müsst Ihr Eure eigenen Erfahrungen machen und Euch ein eigenes Bild der Arbeit und des Lebens hier verschaffen.
 
Ausflugsziel Bolivien
Bolivien ist ein Land, welches den Entdecker in Euch hervorbringen kann. Es gibt viel zu sehen und zu bestaunen, und ich möchte Euch einen kleinen Überblick meiner bereisten Orte geben. Natürlich hatte ich viel mehr Zeit als andere Volontäre und konnte aus diesem Grund ohne Hektik oder Zeitdruck mir die Reiseziele freier aussuchen. Da ihr meistens nur am Wochenende Zeit haben werdet, folgt nun eine kurze Auflistung von Orten, die ideal für Wochenendausflüge von ein bis drei Tagen geeignet sind.
Nationalpark ToroToro: Landschaftlich und historisch ein Höhepunkt und bei einer Entfernung von vier Stunden Fahrtzeit ab Cochabamba solltet Ihr nicht zögern.
Villa Tunari: Der „Río Chapare“ heißt euch im tropischen Klima willkommen. Hier könnt ihr freilebende Tiere bestaunen, im Fluss baden, Wild-Wasser-Rafting unternehmen oder Riesenschaukeln mit einer Höhe von 18 m genießen und den Tag mit einer frischen Trucha (Forelle) und einer kalten Cerveza (Bier) abrunden. Als Unterkunft unbedingt das „Hostal Mirador“ oder das „Hotel Cocos“ beehren. Gesamtfahrzeit:  vier Stunden.
Tunariberg (5020 m): Ein Ausflug für den Sonntag, jedoch nicht ohne Führer möglich. Janine organisiert immer die Ausflüge dorthin, also meldet euch bei ihr. Nur fit den Tunari besteigen, die Höhe bitte nicht unterschätzen. Ausreichend Proviant sowie Getränke (Tee- Coca de Mate mit viel Zucker oder Wasser) mitnehmen sowie gute Kleidung, die sich den Temperaturschwankungen anpasst.
Cochabamba, verschiedenste Ausflugsziele (Freitag bis Samstag): Das Haus von Simón I. Patiño (Calle Potosi 1450) bietet kulturelle Abwechslung, die ihr am Wochenende vormittags (Öffnungszeiten beachten) genießen könnt. Zum Shoppen die Avenida America entlang schlendern. Der Besuch vom Botanischen Garten „Jardín Botánico Martín Cárdenas“ (Avenida General Galindo und Avenida Eliodoro Villazón) sowie eine Runde Beachen im Club Olympic Cochabamba (Avenida Rafael Urquidi und Calle Junín) lohnen sich. Neben dem Beachclub befindet sich zudem eine Kletterwand (beide Sportplätze sind in der Nähe vom Stadium). Weiterhin gibt es auch eine kleine Boulderhalle mit dem Namen „La Cuevita – Kleine Höhle“ (Avenida Ayacucho und La Paz). Am Placa Principal unbedingt das Cafe d`Facus oder das Cafe Pahuichu besuchen, wo ihr Wifi, leckere Getränke und Essen vorfindet werdet. Schlussendlich die Cancha (Callae Lanza und Calle Punata) entlang schlendern, sich vom Markttreiben beeindrucken lassen und selbst zum Schnäppchenjäger werden. Beide Theater „Adela Zamudio“ und „Teatro Achá“ versüßen einem den Alltag und zeigen euch, was Cochabamba an kultureller Abwechslung zu bieten hat. Ich habe dort sehr tolle Abende erlebt. („Achá“ – Calle España und Avenida Heroínas; „Adela Zamudio“ – Calle de 25 Mayo). Tandem-Abende oder „Intercambio de Idiomas“ finden jeden Dienstag ab 07:00 pm an unterschiedlichen Orten statt. Weitere Infos dazu erhaltet ihr über die Facebook-Seite „Tándem Cochabamba“.
Alle sehr zu empfehlenden Restaurants findet Ihr auf Tripadvisor. Meine Favoriten sind: La Muela del Diablo, Da Vinci Pizzaria, Menta Restobar
Quillacollo (befindet sich ca. 10 km vor Huancarani;) Müsst Ihr unbedingt am Sonntagvormittag besuchen. Ein Markterlebnis unvergleichbar: Frische Waren über Obst und Gemüse bis hin zu Ständen, wo ihr tolle Second-Hand Teile findet (bitte richtig los wühlen). Es ist ein buntes und lautes Treiben. Essen wird überall angeboten, ihr müsst Euch nur trauen zu probieren und Euch an die Tafeln zwischen die Einheimischen setzen. Es gibt immer zwei Teller, erst die Suppe und dann das Hauptgericht.
 
Wenn ihr mehr Zeit zum Reisen haben solltet, folgen hier die nächsten Ausflugsziele:
Salar de Uyuni; Der unvergleichbare Salzsee. Ansprechpartner ist wieder Janine (sie hat einfach die besten Kontakte).
Die Stadt La Paz; Auf einer Höhe von 3.200 bis 4.100 m erleben. Mit den Teleféricos die Umgebung erkunden. Den Markt von El Alto am Donnerstag oder am Sonntag besichtigen. Ein Foto mit den berühmten Zebras von La Paz zusammen machen. Sie sorgen für mehr Sicherheit der Fußgänger im Straßenverkehr. Wenn ihr Glück habt, laufen sie Euch über den Weg. Bolivien bräuchte mehr von diesen Zebras, meiner Meinung. Besucht eines der höchstgelegenen Stadien „Estadio Hernando Siles“ der Welt und erlebt Fußball mit einem sensationellen Ausblick. Macht unbedingt eine der Free Walking Tours. Es gibt hier Verschiedenstes, informiert euch im Internet darüber.  Den  tollsten Blick auf die Stadt habt ihr vom „Mirador Killi Killi“. Lasst euch von einem Taxi dorthin bringen und wieder zurückfahren. Schnell einen Rotwein oder ein Bier in einer der Tienda kaufen und den Ausblick genießen. Mit dem Fahrrad die „Death Road“ herunter düsen und das am besten mit „Barracuda Biking“. Sie haben die sichersten Fahrräder und sind sehr kompetent. Badesachen nicht vergessen, da zum Schluss eine Abkühlung auf euch wartet. Mein Lieblingshostel in La Paz ist sehr sauber und doch preiswert „Landscape B & B“.
Rurrenabaque: Ist 15 Stunden mit dem Nachtbus von La Paz entfernt und hier könnt ihr zum Beispiel über Escorpion Travels die „Pampas Tour“ oder die „Selva Tour“ buchen. Ihr begebt euch in den Dschungel, genauer gesagt in den Madidi Nationalpark und erlebt eine artenreiche und vor allem freie Tierwelt. Es war für mich ein super Erlebnis – unvergleichbar. Natürlich könnt ihr auch mit dem Flugzeug die Reise nach Rurrenabaque antreten. Es ist von eurer Nervenstärke abhängig, da die Busfahrt, meiner Meinung, über die echte Todesstraße führt und somit nicht für jeden geeignet ist.
Lago Titicaca: Ist ca. drei Stunden von La Paz entfernt. Unbedingt die „Isla del Sol“ besuchen und dort ein bis zwei Tage verweilen, es ist ein Traum. Vor allem geeignet zum Energie tanken und Ruhe genießen, denn hier herrscht ein Autoverbot. Unter der Wochen fahren Boote nur um 8:30 am oder 1:30 pm zur „Isla del Sol“. Nehmt am besten das frühe Boot, da sich ein Tagesflug dorthin zum Nachmittag nicht lohnen würde. Vorher informieren, ob auf der Insel Streitigkeiten herrschen. In dem Fall ist ein Besuch nicht möglich. Keine Angst, es ist nichts Gefährliches, nur manchmal sind sich die Bewohner der Nord- und Südseite ziemlich uneinig und das führt zu einer Sperrung der Insel. Empfehlen als Unterkunft kann ich die „Ecolodge La Estancia“, sie ist etwas teurer aber bietet den 110 %-igen Erholungswert. Ansonsten gibt es auf der Insel auch preisgünstigere Unterkünfte. (Anfragen dazu entweder an Janine oder die Organisation auf eigene Faust unternehmen. Geht beides sehr gut).
Tarija: Liegt im Süden von Bolivien und dort werden sehr gute Weine hergestellt. Mehr kann ich dazu nicht sagen, da ein Besuch erst noch erfolgen wird.
 
Was solltet ihr beachten, wenn ihr in Bolivien auf Reisen seid
Überall und in jeder Stadt kann etwas passieren und dafür gibt es keine Vollversicherung. Jedoch fallen wir Europäer hier in Bolivien sehr auf. Die Armuts- sowie Kriminalitätsrate sind sehr ausgeprägt und deshalb sollte man nicht leichtsinnig sein. Es ist nicht Deutschland oder Europa, dementsprechend müsst ihr viel besser auf euch aufpassen. Kleine Tipps von mir, die aber keine Garantie sind:
 
-       Handy nie im Trufi oder auf offener Straße hervorholen
-       ektro-Taxis (leuchtende Schilder auf dem Dach) oder Taxi mit einer registrierten Nummer auswählen (auf der Windschutzscheibe hinterlegt)
-       Nie in ein Taxi einsteigen, wo bereits eine Person sitzt. Wird oft als Trick genutzt, um die einsteigende Person in Sicherheit zu wiegen. Ausgeschlossen davon sind Taxi-Trufis.
-       Kleingeld immer schnell griffbereit dabei haben, damit ihr nicht allzu oft eure Geldbörse herausholen müsst
-       Geld und Handy nicht in den Rucksack packen, ansonsten den Rucksack vorn tragen. Besser - Visakarte, Reiseausweis oder Geldbörse direkt am Körper aufbewahren.
-       Polizisten haben kein Recht euch auf offener Straße nach eurem Ausweis zu fragen. Achtung! Das sind keine echten Polizisten. Nicht darauf reagieren, einfach weitergehen oder sagen, dass ihr gleich euren Anwalt anrufen werdet.             Dann sollten sie verschwinden.
-       Alleine nicht zu spät die Heimreise nach Huancarani antreten oder besser ein Taxi nehmen und lieber die 80 bis 100 Bs bezahlen, aber dafür sicher ankommen.
-       Sagt immer, wo ihr hingeht und wann ihr wieder zurück sein werdet. Könnt es auch gern Adela mitteilen. Nur zur Absicherung, es soll keine Kontrolle sein.
-       Keine Drogen in irgendeiner Art annehmen oder einnehmen. Ihr kommt dafür ins Gefängnis. Die Gesetzgebung zum Beispiel von Marihuana ist hier viel härter als bei uns in Deutschland. Verzichtet darauf, denn die Gefängnisse sind ebenfalls nicht mit denen bei uns zu vergleichen. Außerdem zerstören wir dadurch das aufgebaute – Centro Cultural „Rosenfelder“ sowie den guten Namen vom Consultorio, da die Regierung nur nach Vorwürfen oder Anschuldigungen sucht, um uns Ausländer aus dem Land zu vertreiben.
 
Genießt Bolivien und seine Vielfalt, aber seid nicht dumm.  Einige Storys kann Adela von Volontären erzählen, die entweder Pech hatten oder unvorsichtig waren.
 
Meine Ausführungen sind vielleicht etwas zu lang, aber ich habe hier acht Monate verbracht und somit viel erlebt und viel zu sagen. Warum acht statt den geplanten sechs Monaten? Wenn man mir einen Welpen ins Haus legt (Danke Rebecca;)) und diesen dann groß werden sieht, sich um ihn kümmern muss, dann kann auch mein Herz nicht Goodbye sagen. Falls jemand einen Hund aus einem nicht gelisteten Drittland, wie Bolivien, nach Deutschland mitnehmen möchte, kann sich gerne an mich wenden. Nun bin ich Profi und kenne alle guten oder schlechten Tierärzte, Anforderungen zur Einführung in die EU, Adressen von Laboren zur Blutuntersuchung in den USA und die Preise von Flug -und der anfallenden Gebühren beim Tierarzt.
Vielen Dank an alle, die mich in dieser Zeit unterstützt haben, mir zuhörten, meine Sorgen teilten und mir mit ihren Ratschlägen halfen. Hierbei war ich auch sehr froh, dass Giulia und Jana von der Pirwa (Nachmittagsbetreuung der Kinder) mir meine Zeit sehr versüßten. Wir haben uns sehr gut verstanden und über die Monate seid ihr mir doch sehr ans Herz gewachsen. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle sowie aufregende Zeit in Huancarani und ganz viel Spaß auf euren Reisen. Danke Rebecca, dass du Biggy gefunden hast, hierher brachtest und Danke an Ekkehard, dass sie in Huancarani ein Zuhause finden durfte. Eine Entschuldigung an alle Hühner, die später Biggys Instinkt zum Opfer fielen. Alle Einwohner von Huancarani sind froh, wenn mein Hund ihren Hühnern „kein Haar oder eher Feder mehr krümmt“, ich auch.  Meine Zeit hier war unbeschreiblich und ich habe Deutschland doch eher weniger vermisst als andere Volontäre. Am 6.12.17 geht unser Rückflug nach Deutschland, aber ich bin mir sicher, dass ich wiederkomme. Dann aber ausschließlich als  Tourist;)
Carolin Martens
Biggy und ich beim abendlichen Spaziergang
 
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