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Schindelhauer, Stefan

Erfahrungsberichte > Archiv
Guadalupe, Mitte August 2007 bis Ende März 2008 (mit Unterbrechungen) 
Nachdem ich in der Klinik in Guadalupe gearbeitet habe, kann ich auf viele schoene Erfahrungen zurueckschauen und nur jedem Famulanten und Zahnarzt empfehlen, an diesem Projekt teilzunehmen.
Wichtig ist die Grundlagen der spanischen Sprache zu beherrschen, da sonst keine Kommunikation mit der Helferin und schon gar nicht mit den Patienten moeglich ist. Denn Englisch spricht hier kaum jemand.
 
Das Arbeiten macht mit den technisch auf recht gutem Stand befindlichen Einheiten und ueppig vorhanden Materialien viel Spaß. Fuer mich war es eine Herausforderung mit den Grundkenntnissen in einer fremden Sprache zurechtzukommen und zu arbeiten. Ausserdem ist die Logistik hier eine andere, die Kultur und Art der Patienten neu und so bedurfte alles einer Einarbeitungszeit.
 
Die freundliche Art aller in der Klinik Beschaeftigten, die unendliche Geduld der Helferinnen (Lida und Mariana) und Patienten und die schnelle und kompetente Hilfe von Amanda und Padre Georg machten diese Zeit entspannt und bereichernd. Dazu kam die Moeglichkeit zum Gedankenaustausch mit Kollegen und Medizinern aus aller Herren Laender. Auch wenn die Zahnaerzteschaft groesstenteils aus dem deutschsprachigen Raum stammt, machte doch die Moeglichkeit zur Fachdisskussion diesen Aufenthalt schon fast zur Weiterbildung (fehlen nur die 500 Punkte die ich eigentlich kriegen muesste!).
 
Die Unterkunft ist fuer ecuadorianische Verhaeltnisse luxurioes und die Gemeinschaft in der Residencia ein guter Ort fuer Gemeinsamkeit und Austausch.
 
Am ersten Tag konnte ich mit meinen 4 Jahren BE (inkl. Assi-Zeit) gleich mal zwei Studenten bei der Deckung einer MAV, bzw. aus der Klemme helfen. Da ich auch noch nicht viel Erfahrung besass eine schoene Begruessung! So waren wir am ersten Tag gleich zu spaet zum Essen bei den Hermanas (Nonnen). Aber nachdem wir alles erklaerten, hatten wir jungen starken Esser bald ein exzellentes Verhaeltnis zu unseren lieben Versorgerinnen - das Essen war allzeit gut! So wird man mit Mittag und Abendbrot versorgt und hat einen Einblick in das Leben der Hermanas.
Was die Arbeit betrifft hat man die Moeglichkeit verschiedene Material
ien zu probieren und trotzdem auf Altbewaehrtes zurueckzugreifen, da sehr viel vorhanden ist. Trozdem sind Spezialitaeten mitzubringen. In der Kons konnte ich WKB’s mit Radix-Ankern und Komposite-“kronen “ in einer Sitzung versorgen (Kontrolle durch Zufall nach einem Monat voellig o.b. – sicher nicht aussagekraeftig, aber trotzdem schoen), unzaehlige Zaehne ziehen (gut fuer Zahnaerzte frisch von der Uni!) und teilweise herausoperieren, wobei meine schoenste und interessanteste Arbeit die Extraktion von stark retinierten 8-ern war.
 
Ausserdem gab es genuegend Amalgamfuellungen und als prothetische Moeglichkeit die Interimsprothesen-Dauerloesung.
 
Es war ein schoenes Gefuehl, den teilweise sehr jungen Patienten wieder ein Laecheln geben zu koennen, auch wenn hier Zahnlosigkeit unter 30 Jahren akzeptiert und gesellschaftlich toleriert wird.
 
Fuer die PZR koennte man ein ganzes Team einsetzen. Zahnstein und Unwissenheit halten sich die Waage und sind endlos vorhanden. Als wir weder PZR-Helferin noch einen funktionierenden Ultraschall hatten (war eine Woche defekt), war meine rechte Hand durch das Skalen abends massagereif!
 
Aber ebenso schoen wie einen sauberen Mund nach der PZR zu sehen, ist es den Kindern in den Gemeinden eine Zahnbuerste in die Hand zu druecken und deren Gebrauch zu ueben. Dabei begleitet man einfach die Hermanas in die Barrios von Guadalupe und lernt nebenbei Kirche, Riten und Lebensweise in den Doerfern genauer kennen.
 
Interessante Erfahrungen konnten wir beim Einsatz der mobilen Einheit in den Gemeinden von Zamora sammeln, als wir auf Jornadas (Reise-Einsatz) unterwegs waren. Den dortigen Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung zu decken waere ein Jahrhundertprojekt! Einer Patientin mussten wir z.B. 16 Zaehne bzw. Zahnreste auf einmal ziehen. Mit ordentlicher Wundversorgung war es eine aufwendige Arbeit.
 
Wie im letzten Newsletter (3/2008) geschildert, konnten wir mit der mobilen Einheit ebenfalls vielen helfen und erstmals ausser Haus Zaehne reparieren. Im Haus des Bischofs von Zamora zu uebernachten und eine Rede im Radio “la voz catolica” zu halten, war eine weitere interessante Erfahrung.
 
Fuer mich war in der letzten Zeit vor allem die Zusammenarbeit mit den jungen Studenten und Zahnaerzten fordernd, da ich hier mein Wissen testen lassen und weitergeben konnte. War ein Zahn abgebrochen, musste ich ran. So war es richtig schoen die Fortschritte im Selbstvertrauen und den Faehigkeiten zu sehen, die meine jungen Kollegen machten.
 
Wer nach einer Moeglichkeit sucht den positiven Ansatz der Globalisierung zu unterstuetzen - in Guadalupe gibt es einen Platz, an dem die Arbeit richtig Spass macht.
Ausserdem kann man in den mannigfaltigen Aktivitaeten, vom Sport ueber die Kirche bis hin zu den verschiedenen Festivitaeten der Gemeinde eine andere Welt kennenlernen.
Und wer die Natur liebt, kann den Nebelwald sowie den Regenwald an den Wochenenden mit Fuehrung oder auf eigene Faust erkunden. Ein traumhafter Ort.
 
Ich komme jedenfalls wieder,
 
Stefan Schindelhauer
 
PS: Wer Fragen hat, kann mir gerne schreiben:
stefan_schindelhauer@yahoo.de !
 
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