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Dörr, Nicole

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Guadalupe,  20. Juni bis 24. Juli 2009.
 
Da ich beim Stöbern durch all die anderen Erfahrungsberichte eigentlich alles mehrfach gefunden habe was ich selbst auch schreiben wollte, werde ich versuchen mehr visuelle Eindrücke meiner Zeit zu vermitteln. LAN Airlines brachte mich mit einem atemberaubenden Flug über Vulkane und Anden am 10.06.09 nach Quito, wo ich meine ersten beiden Tage in Ecuador verbrachte.
Nach einer kurzen Rundreise in den Norden (Kleintiermarkt Otavalo, Cayambe-Äquatordenkmal (QuitsaTo), an die Küste (Bahia, San Vicente, Canoa) und wieder zurück ins Hochland (Baños), war es an der Zeit endgültig Richtung Clinica aufzubrechen.
Auch der Flug nach Loja war wieder unglaublich: Landung im Sonnenaufgang inmitten von Bergen! Mit etlichen verschiedenen Bussen ging es dann etappenweise näher ans Ziel, bis letztlich nur noch die Brücke über den Rio Yacuambi fehlte.
 
Am ersten Arbeitstag fand ich mich dann in einer etwas anderen Arbeitswelt wieder als ich es von zu Hause gewohnt war. Hier gingen die Uhren anders, Patienten warteten Stunden ohne sich zu beschweren, alle Bewegungen erfolgten einfach gemütlicher, Radio Yacuambi ließ nicht nur den Bohrer tanzen und Lidas Scherze brachten das ganze Zimmer zum lachen.
 
Am Ende hatte sie mich so verwirrt, dass ich ständig „hueco“, „huevo“ und „hielo“ verwechselte. Dass immer wieder kleinere technische Defekte anstanden förderte die Improvisationskraft. Man kann sehr gut ohne Licht an der Turbine arbeiten und der große Sauger wird echt überbewertet ;-) Felix, der Techniker härtete seine Löffelplatten beispielsweise „open air“ durch Äquatorsonne. 
Auch meine Fähigkeiten im Umgang mit Amalgam und Extrahieren in allen Variationen habe ich in dieser Zeit ausgebaut. Es gab außerdem wirklich interssante Anomalien und knifflige sowie erschreckende Patientenfälle.  
Beneidenswert ist das Immunsystem der Patienten - Wunden heilen im Nu. Dafür mussten wir oftmals bis zum Umfallen erklären, warum wir jetzt hier bei diesem Patienten keine Ausnahme machen, nein - auch nicht nur dieses eine Mal. Und Goldschmuck für Prothesenzähne fertigen wir auch nicht an, nein, lo siento. Und nein - wir machen auch keine Amalgamsanierungen… Auch dass einige im großen neuen Pick-up angereist kamen, ließ mich gelegentlich schlucken. Mit den ärmeren Leuten mussten wir oft üben, wie man eine Prothese überhaupt einsetzt. Reicht man diese nämlich verkehrt herum, versucht der Patient sie auch verkehrt herum einzusetzen.
 
Zum Schmunzeln brachte uns immer wieder, dass manche Patienten nicht wussten wie sie sich auf den Behandlungsstuhl setzen sollten, sie wandten den Blick zur Kopfstütze - als säßen sie auf einem Pferd. Großartig war auch, als ich bei den Polierpasten zwei offene Packungen Fenistilgel fand. Wie das wohl schmeckt…?!? Da ich während meines Aufenthaltes der einzige Zahnarzt war hatte ich – besonders bei gutem Wetter - immer alle Hände voll zu tun und es ging nach der Arbeit meist ohne große Pause zum köstlichen Essen mit den Hermanas, bei dem auch immer noch gemütlich geplaudert wurde.
 
An den Wochenenden unternahmen wir beispielsweise Wanderungen mit Amanda und den Pferden in die Berge - stets ein kleines Abenteuer!
 
Mal hatten wir knietief Matsch und unser „Mudhorse“ kam so richtig in Stimmung - galoppierte mit einem Affenzahn die Pfade auf und nieder. Ein anderes Mal wollten wir eine Höhle mit Malereien besuchen, gefunden haben wir sie nicht, es weiß aber auch keiner wo genau man diese findet, sofern es sie denn überhaupt gibt. Bei diesem Trip passierten wir auch Kaffee- und Kakao-Pflanzen.
Ein Wochenende verbracht ich in Vilcabamba und auch den Sonntagsmarkt in Yacuambi habe ich mir angesehen, wobei die Fahrt dorthin attraktiver war als der eigentliche Markt. Ein andermal besuchte ich eine Freundin in Sucúa, nähe Macas. Dort hatte ich die Möglichkeit wirklich unter Ecuadorianern zu sein und u.a. traditionelles Kochen mit Bananenblättern mit zu erleben.
 
Dank den Nachtbussen war es möglich an einem Wochenende durchaus größere Strecken zurück zu legen. Aber es war auch immer schön Sonntag abends wieder „heim“ zu kehren. Es hätte noch so vieles zu entdecken gegeben - die Zeit verging wie im Flug, da kamen schon die Nächsten! Nach einem bewegenden Abschied von Guadalupe machte ich mich auf nach Cuenca, der „schönsten Stadt Ecuadors“.
 
Allerdings ist die Wohlfühlzeit in Guadalupe (die frischen Fruchtsäfte und das ausgezeichnete Essen mit den Nonnen) an meinem Körper nicht spurlos vorüber gegangen. So kam es, dass ich mir in Quito vor dem Heimflug sicherheitshalber noch eine weiße Hose für den kommenden Montag in Deutschland gekauft habe… ;-)
 
Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.
Nicole Dörr
step-point@web.de
 
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