Meinecke, Ida
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Huancarani, 28. July - 22. August 2025
Ein Praktikum voller unvergesslicher Momente
Nur wenige Tage nach meinem Semesterende saß ich schon im Flugzeug nach Santa Cruz, viel Zeit für aufwendige Vorbereitungen blieb also nicht. Hätte ich beispielsweise vorher gewusst, wie viel günstiger der Wechselkurs für Euros in Bolivien ist, hätte ich definitiv mehr Bargeld mitgenommen. Ein kleiner Tipp vorweg also: Nehmt ausreichend Euro mit!
Da es meine erste Reise allein war und meine Spanischkenntnisse über ein paar Floskeln kaum hinausgingen, war ich entsprechend aufgeregt. Rückblickend völlig unbegründet: Von der Organisation durch den FCSM über den Flug bis hin zur Abholung am Flughafen durch Henry lief alles einwandfrei.
Angekommen in Huancarani lernte ich die beiden Zahnärztinnen Sophia und Anna kennen, mit denen ich eine Woche lang zusammenarbeitete und wohnte. Obwohl uns einige Jahre trennten, fühlte ich mich sofort herzlich aufgenommen und fast schon wie zu Hause. Wir behandelten täglich zwischen 10 und 15 Patient*innen. Anfangs assistierte ich oder reichte Instrumente an, durfte später aber auch kleinere Behandlungen selbstständig durchführen. Die Vielzahl und der Zustand kariöser Zähne waren für mich völlig neu und sehr eindrücklich. Dadurch lernte ich extrem viel in kurzer Zeit und wurde schnell sicherer. Mittags und abends bekochte uns Adela mit bolivianischen Köstlichkeiten, und am Abend saßen wir oft noch lange zusammen, ließen den Tag Revue passieren oder planten die nächsten Ausflüge.
An meinem ersten Wochenende fuhren wir zu dritt nach Cochabamba und Quillacollo. Etwas überfordert, aber fasziniert, tauchten wir in das bunte Treiben der chaotischen Märkte und Trufis (Minibusse) ein und probierten lokale Spezialitäten. Am nächsten Tag ging es auf den über 5.000 Meter hohen Pico Tunari. Die Höhe war für Anna und mich eine echte Herausforderung, aber das Gefühl, nach mehreren Stunden tatsächlich oben zu stehen, war einfach unbeschreiblich.
Nach der Abreise von Sophia und Anna entstand eine Lücke im Kalender, die Ekkehard spontan füllte – zum Glück! Mit ihm konnte ich nicht nur fachlich viel lernen, sondern auch über das Land, die Menschen und das Leben an sich. Unter anderem ermutigte er mich, während eines Feiertags allein mit dem Bus nach La Paz zu fahren und dort die gefährlichste Straße der Welt, die sogenannte „Death Road“ mit dem Mountainbike herunterzufahren. Eine für mich einmalige Erfahrung, die mir lange in Erinnerung bleiben wird. Und wie es der Zufall wollte, traf ich dort tatsächlich Sophia und Anna wieder, sodass wir noch einen gemeinsamen Tag in La Paz und später einige Tage in Sucre verbringen durften.
Ein weiteres Highlight meines Aufenthalts waren die zahlreichen Feste und Umzüge im August: Hunderte verkleidete Menschen, Musik, Tanz, geschmückte Straßen und das teils mehrmals die Woche. Besonders in Erinnerung blieb mir außerdem eine Stadtführung durch Cochabamba, bei der ich als einzige Teilnehmerin plötzlich eine mehrstündige Privatführung erhielt. Ich verstand mich mit meinem Guide außerdem so gut, dass wir uns die Woche darauf spontan zum Eis essen und einer Motorradtour verabredeten.
Kurz vor Ende meines Aufenthalts kam die Familie Behr samt zweier weiterer Zahnmedizinstudierenden an. Es entstand eine völlig neue, aber ebenso harmonische Stimmung im Consultorio und in der WG. Mein erster extrahierter 8er wurde gebührend fotografisch festgehalten und die letzten Füllungen gelegt.
Zum Abschied lud ich alle zum Italiener in Cochabamba ein, was aber überraschenderweise in einem Besuch einer Karaokebar endete. Die Gesangs- und Tanzeinlagen mit Henry, den Voluntarios und einigen Bolivianern bildeten den perfekten Abschluss dieser intensiven, lehrreichen und bewegenden Zeit.
Der Abschied von Huancarani und insbesondere den liebevollen Menschen dort fiel mir schwer. Dafür blieben am Ende aber unglaublich viele schöne Erinnerungen und die Hoffnung, als fertige Zahnärztin nochmals zurückzukommen.
Ida Meinecke, cand.med.dent.