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Klaffke, Ute

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Guadalupe  02.-29. Mai 2015
 
Einen Monat vor dem Voluntariat verbrachte ich in Ecuador, um Land, Leute und Kultur zu erkunden, zu reisen und mein Spanisch wieder aufzufrischen.
Auf der Busfahrt nach Guadalupe  machte ich bereits im Bus bei Loja Bekanntschaft mit einem ehemaligen Patienten der Clinica. Dieser erzählte mir beeindruckenderweise, was für einen guten Ruf die Klinik bei den Menschen der Umgebung hat, die die Qualität der Arbeit der deutschen Aerzte sehr schätzen.
In Guadalupe angekommen, wurde ich direkt von Padre Jorge und den beiden Zahntechnikern Linda und Felix nett empfangen und in alle Abläufe eingewiesen. So fiel es mir nicht schwer, mich in der Unterkunft direkt zu Hause zu fühlen.
Dank Lidas langjähriger Erfahrung und ihrer Frohnatur dauerte es nicht lange, sich an die Arbeit unter einfachen Bedingungen und mit begrenzten Mitteln einzugewöhnen. Wenn die alten eigensinnigen Behandlungseinheiten oder die Wasserzufuhr mal wieder anders wollten als wir, gewohnte Materialien oder Instrumente nicht vorhanden waren, improvisierten wir und mussten andere Lösungswege finden. Lidas Anpassungsfähigkeit und ihre Hilfe bei Kommunikationsproblemen mit Patienten erwiesen sich dabei als unersetzlich, und ich bin ihr sehr dankbar für ihre Hilfe und die fröhlichen Momente, die wir gemeinsam teilen konnten.
Da wir mit Linda und Felix ein über einen langen Zeitraum voluntierendes Zahntechnikerteam hatten, beschlossen wir zusammen mit Georg und Amanda, den Patienten die Möglichkeit anzubieten, Totalprothesen herzustellen. Da sich dies unter den Patienten sehr schnell rumsprach, reisten sehr viele Patienten an. Sie nahmen dabei teilweise Anreisen von 6 Stunden auf sich und warteten manchmal schon um 5.30 Uhr vor der Klinik, um eine der begehrten Prothesen zu erlangen. Schon am zweiten Tag mussten wir leider die ersten Patienten zurückschicken, da weder ich noch das Zahntechnikerteam dieses Arbeitspensum an Totalprothesen stemmen konnten. Viele der Totalprothesenpatienten waren bereits sehr lange zahnlos oder besassen seit Jahren aus Kostengründen nur in einem Kiefer eine Prothese (zum Teil seit 10 Jahren). Dies führte dazu, dass sich die prothetische Versorgung als sehr schwierig herausstellte. Bissnahmen und Wachsanproben mussten wir doch öfters wiederholen, bis wir ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichten. Die enge Zusammenarbeit mit den beiden Zahntechnikern Linda und Felix erwies sich hierbei als sehr hilfreich und unkompliziert.
Es war beeindruckend wie geduldig die Menschen oft bis nachmittags warteten, bis sie an der Reihe waren, ohne sich auch nur eine Sekunde lang zu beschweren. Was mich sehr berührt hat, war die Wertschätzung und Dankbarkeit, die mir die Patienten für meine Arbeit entgegenbrachten. Allein für diese Erfahrung hat sich aller Aufwand und alle Arbeit gelohnt.
Die Schwestern und alle Mitarbeiter der Mission waren stets an unserem Wohlbefinden bemüht und umsorgten uns wie sie nur konnten. Amanda organisierte uns Ausflüge und Kochabende mit einer indigenen Familie, Lida organisierte eine Spanischlehrerin, bei der ich abends Unterricht nehmen konnte und Hermana Julia half mit ihren Nähkünsten aus, wenn mal ein Kleidungsstück gerissen war.

Ute Klaffke
 
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