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Huancarani, 27.02. - 31.03.2017
Für mich begann die Reise schon eine Woche vor Arbeitsbeginn am 18.02. um noch ein bisschen Zeit zu haben, mich zu akklimatisieren und mehr vom Land zu sehen. Von Berlin über Madrid ins tropische Santa Cruz, wo ich mich erst einmal einen Tag vom Jetlag erholte, bevor es weiter nach Samaipata ging, ein wunderschönes Dorf zwischen Santa Cruz und Cochabamba in der Nähe des Amboro-Nationalparks. Da es nicht meine erste Südamerikareise war, wusste ich mehr oder weniger was mich erwartete, spätestens nach der 11-stündigen Busfahrt von Samaipata nach Cochabamba über unbefestigte Straßen war ich endgültig angekommen. In Huancarani wurde ich herzlich von Tessa, Rebecca, Laura, Adela und Ekkehard empfangen.
Sie zeigten mir alles, mit dem Arbeiten ging es für mich allerdings erst am forgenden Mittwoch los, da die Praxis wegen des Carnavals, den die Bolivianer ausgiebig feiern, geschlossen blieb. Wir verbrachten den Carnaval alle zusammen in Oruro. Total verrückt und absolut sehenswert.
Zurück in Huancarani begann die Arbeit im Consultorio zusammen mit Tessa. Es kamen viele Patienten, da sich schon herum gesprochen hatte, dass im März eine Technikerin käme und „placas“ hergestellt werden könnten. Bei vielen Patienten war vor der Abformung noch einiges an Vorbehandlung zu erledigen, so dass wir fleißig Zähne extrahierten, Füllungen und limpiezas machten und hin und wieder auch eine Endo samt analogem Röntgen. Bei einigen Patienten war sehr viel zu tun, so dass wir den Behandlungsablauf gut planen mussten, um die Vorbehandlung und Abheilungsphase abzuschließen, bevor Rebecca, die Technikerin, wieder abreist. Auch viele Kinder kamen nach der spontanen Schuluntersuchung durch das Bolivia movil-Team und brachten gleich noch ihre Eltern und Geschwister mit. Wir wechselten uns nach jedem Patienten ab und unterstützen uns gegenseitig, was die Arbeit sehr angenehm machte. Bis auf
eine Patientin mit einem paramandibulären Abszess und einen luxierten 51 waren die Behandlungen meistens sehr gut zu bewältigen. Es kommen Patienten allen Alters, auch viele mit dem Wusch nach Zahnersatz. Leider gab es auch sehr junge Erwachsene mit Restzahnbestand. Und auch viele Kinder kamen, da sie kostenfrei behandelt werden, viele unter ihnen hätten ansonsten wohl keine Behandlung erhalten. Im Schnitt behandelten wir 10-15 Patienten pro Tag, wenn ein Fest oder Streik war oder das Wetter zu schlecht oder zu gut, kamen auch mal nur 3.
Leider war schon vor dem Carnaval der Autoklav kaputt gegangen und die Reparatur verzögerte sich ganz nach bolivinischer Art. Da sich das Bolivia movil Projekt unerwartet verzögerte, konnten wir die ersten Tage noch deren mobilen Steri verwenden, nachdem es dann bei denen los ging, blieb Ekkehard nichts anderes übrig, die Instrumente in der Küche in Kochtöpfen aufzubereiten.
Ab der dritten Woche übernahm dann Ekkehard die Behandlung, wodurch sich der Ablauf etwas änderte, es wurde früher begonnen, dafür weniger überzogen und schneller gearbeitet. In dieser Zeit wurden viele Prothesen eingegliedert, weitere geplant, auch zwei TO/TU waren dabei. Ich lernte viele für mich neue Techniken kennen, z.B für Frontzahnfüllungen, wie man die kleinen Hebel richtig verwendet, schmerzfreies Anästhesieren und auch das effiziente Assistieren.
Das Projekt bietet sehr viele Vorteile, der feste Standort ist gut organisiert und ausgestattet, die nette Wohnung direkt über der Praxis, die Lage von Cochabamba im Zentrum Boliviens mit guter Anbindung und natürlich die liebvolle Umsorgung durch Doña Adela, die mir einmal morgens um 4.00 Uhr einen Tee gegen meine Bronchitis brachte.
Die Arbeitstage sind lang (8.30-12 und 14-19.00 Uhr), vor allem, da außerhalb der Behandlung noch andere Tagesaufgaben, wie das Waschen der Arbeitskleidung, Einkäufe, Steri usw. anstehen und unter der Woche kaum Zeit bleibt um einzukaufen. Dadurch können Lebensmittel nur am Wochenende oder Montag früh eingekauft werden (Kleinigkeiten gibt’s allerdings im Dorf bei Doña Petri).

Der 5 Wöchige Aufenthalt in Huancarani war sehr beeindruckend, abwechslungsreich, ich habe viel gelernt, viel gesehen, es stellten sich uns auch einige Hürden, trotzdem habe ich die Arbeit, die neuen Bekanntschaften und auch die Wochenendausflüge (Oruru, La Paz, Uyuni, Samaipata und Villa Tunari) sehr genossen und kann nur jedem empfehlen, diese spannende Erfahrung zu machen.

Teresa Kaiser
 
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